Gesuchter Kinderschänder stellt sich
Nach dem 34-Jährigen war in der Sendung „Aktenzeichen XY“ gefahndet worden. Nun rief er selbst die Polizei. Er soll einen Jungen missbraucht haben.
Der Fernsehmoderator Rudi Cerne versucht mit der Fahndungssendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“, ungeklärte Straftaten aufzuklären. Foto: dpa
Wiesbaden. Ein gesuchter mutmaßlicher Kinderschänder hat sich am Donnerstag in Berlin der Polizei gestellt. Nach dem Mann war am Mittwochabend in der TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ gefahndet worden. Nach Medienberichten („Berliner Morgenpost“, „Bild“) hatte der Mann selbst die Polizei angerufen und sich gestellt. Beamte brachten ihn zur Kriminalpolizei. Zuvor war der Mann durch die Öffentlichkeitsfahndung von BKA und „Aktenzeichen XY“ identifiziert worden. Die Staatsanwaltschaft hatte entsprechende Angaben der „B.Z.“ bestätigt.
Es handelt sich den Berichten zufolge um einen 34-jährigen Mann aus der Hauptstadt. Der Mann wird laut Generalstaatsanwaltschaft beschuldigt, von 2005 bis September 2008 den damals elf bis 13 Jahre alten Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin sexuell missbraucht zu haben. Den Missbrauch soll er demnach gefilmt und die Videodateien im Jahr 2011 in zwei spezielle Netzwerke im Internet eingestellt haben.
Nach der Sendung gingen Hinweise ein
Kurz nachdem das ZDF-Kriminalmagazin „Aktenzeichen XY... ungelöst“ am Mittwochabend Ausschnitte des Materials gezeigt hatte, gingen bei den Ermittlern Hinweise auf den Mann ein. Die Fahnder waren an die Öffentlichkeit gegangen, weil sie eine Gefahr sahen, dass der Junge immer noch sexuell missbraucht wird. Andere Ermittlungsmethoden hatten nicht zum Erfolg geführt.
Nach Angaben der TV-Sendung hat die Öffentlichkeitsfahndung schon in mehreren Fällen bei der Suche nach mutmaßlichen pädophilen Straftätern geholfen. Beim BKA gibt es aber auch Fälle, in denen der Täter nicht identifiziert werden konnte.
Spitzenquoten für Special zum Mordfall Bögerl
Das Special von „Aktenzeichen XY“ zum spektakulären Mordfall Bögerl beschert dem ZDF indes eine Spitzenquote und den Ermittlern ungewöhnlich viele Hinweise. 5,85 Millionen Zuschauer sahen die Sendung über den Mord an der Heidenheimer Bankiersfrau Maria Bögerl. Bis zum Donnerstagmittag gingen mehr als 200 Tipps ein. Der Fall aus Baden-Württemberg vom Mai 2010 war das Schwerpunktthema der Sendung, nahm etwa die Hälfte der Sendezeit ein und war der erste derartig lange Einspieler in der Geschichte des ZDF-Klassikers. „Ob und wie weit sich daraus eine heiße Spur ergibt, wird sich zeigen“, sagte ein Polizeisprecher. Das könne Tage, aber auch Wochen dauern.

