Panorama 24.03.2010, 19:04 Uhr

Beim „Dinner im Dunkeln“ isst das Auge nicht mit

Bei „Von Sinnen!“ findet meist nur das Personal den rechten Weg – weil alle Servicekräfte blind sind.

Durch den Verzicht auf optische Reize werden die anderen Sinne intensiviert.

Durch den Verzicht auf optische Reize werden die anderen Sinne intensiviert.

Von Sabine Pusch, MZ

Regensburg. Der Altstadtsalon des Sorat Insel-Hotels ist in tiefste Finsternis getaucht. Man kann nicht mal die eigene Hand vor Augen sehen, von den verschiedenen Gängen des Menüs ganz zu schweigen. Es ist nicht Nacht und Lampen gäbe es wohl auch genug, aber es wird bewusst im Dunkeln gespeist. Der visuelle Sinn wird in den kommenden zwei Stunden nichtig sein, denn das gehört zum Konzept von „Von Sinnen! – Das Dinner im Dunkeln“.

Im Laufe eines Tages nimmt das menschliche Auge permanent optische Botschaften auf und muss diese anschließend verarbeiten. Anders dagegen bei der von Felix Bierig organisierten außergewöhnlichen Veranstaltung. Hier rücken Schmecken, Hören, Fühlen und Riechen in den Vordergrund und die Energie des Visuellen verteilt sich auf die anderen Sinnesorgane. Diese werden durch den Verzicht sensibilisiert und ermöglichen somit den Eintritt in eine neue, bewusstere und faszinierende Geschmackswelt.

So spannend und lustig das Dinner im Dunkeln auch sein mag, so unheimlich und verunsichernd kann es auch sein. Genau deshalb steht jeder Gästegruppe ein persönlicher Ansprechpartner zur Seite. Das geschulte Personal findet auch in völliger Finsternis den rechten Weg, serviert die Gänge und schenkt genau richtig ein. Aus einem einfachen Grund: Bei „Von Sinnen!“ sind alle Servicekräfte blind oder stark sehbehindert.

Melanie Eger, eine blinde Studentin aus Regensburg, arbeitet beim „Dinner im Dunkeln“, nimmt auch aus persönlichen Gründen an der Veranstaltung teil und möchte damit Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für alle Menschen machen, die erblindet sind. „Wir können zeigen, dass wir nicht so hilflos durchs Leben gehen wie einige Leute oft denken. Ich freue mich schon auf den Rollentausch, bei dem ich einiges an erfahrener Hilfe zurückgeben kann“, sagt die 27-Jährige. Sie steht den Teilnehmern während des Diners zur Seite und kann zahlreiche Tipps zum Zurechtfinden im Dunkeln geben.

 

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