Atomindustrie droht und will 15 Jahre plus X
Die Atomindustrie will, dass die Meiler mindestens 15 Jahre länger laufen. Teuer dürfe das nicht werden, sonst wanken Jobs.
Isar 1 in Essenbach/Ohu bei Landshut
Berlin. Die Atomindustrie verschärft wegen der geplanten Brennelementesteuer ihre Drohungen und fordert mindestens 15 Jahre längere Laufzeiten der Meiler. „Die Brennelementesteuer (...) kam fast wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Ralf Güldner. Die Belastung sei höher als von der Bundesregierung geplant und liege bei rund 2,8 Milliarden Euro netto statt 2,3 Milliarden.
Die Branche droht weiter mit Klagen – allein schon aus Verantwortung gegenüber den Aktionären sei man zur Prüfung aller rechtlichen Schritte gezwungen, sagte Güldner. Der Vizechef der E.on Kernkraft GmbH forderte zudem deutlich längere Laufzeiten: „15 Jahre plus X könnten ein vernünftiger, weil politisch darstellbarer Schritt sein.“ Auch Atomkraftwerk-Neubauten schloss er nicht aus.
EnBW droht mit Personalabbau
Der Energiekonzern EnBW drohte mit dem Abbau von Arbeitsplätzen, wenn die Atomsteuer wie geplant kommt. „Der Verkauf von Unternehmensteilen, die Beendigung bereits in Angriff genommener Projekte und Investitionsvorhaben sowie mittelfristig ein erheblicher Personalabbau wären die zwangsläufige Folge“, heißt es in einem Papier. Das Bundeskabinett will die Steuer nach der Sommerpause beschließen.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will die Atomindustrie mit der Brennelementesteuer aber nicht zu stark belasten. „Wir wollen die Kernenergiebetreiber ja nicht steuerlich erdrosseln, sondern ihre Zusatzgewinne teilweise zur Förderung der erneuerbaren Energien verwenden“, sagte er. Die Steuer sei zunächst zur Haushaltskonsolidierung und Sanierung des Lagers Asse vorgeschlagen worden, aber auch geeignet, um Zusatzgewinne bei längeren Laufzeiten abzuschöpfen. Im Gespräch ist auch eine Zusatzabgabe. Die Konzerne bezweifeln, ob sich Nachrüstungen der Anlagen dann noch lohnen.



