Politik 23.08.2012, 20:26 Uhr

Aufruf zum Sturz der Kanzlerin

Die Ex-Kohl-Beraterin lässt in „Die Patin“ kein gutes Haar an Merkel. Ein Jahr vor der Bundestagswahl schürt sie die Unzufriedenheit in der Union.

Die Autorin und Politikberaterin Gertrud Höhler stellt ihr Buch „Die Patin – wie Angela Merkel Deutschland umbaut“ vor. Foto: dpa

Die Autorin und Politikberaterin Gertrud Höhler stellt ihr Buch „Die Patin – wie Angela Merkel Deutschland umbaut“ vor. Foto: dpa

Von Thomas Burmeister, dpa

Zürich/Berlin. „Alphawölfin“ und „Ego-Politikerin“: Für Angela Merkel hat sich Gertrud Höhler etliche Beinamen ausgedacht. Auch „Exotin“, „Testfahrerin im CDU-Themenpark“, „Aufsteigerin aus dem Unrechtsstaat“ und viele mehr. Am knackigsten erschien der früheren Beraterin von Helmut Kohl „Die Patin“. Unter diesem Titel hat sie eine Art Generalabrechnung mit dem „System M“ geschrieben. Streckenweise liest sich das Buch wie eine Politsatire, wenngleich es bestimmt nicht als solche gemeint ist. Teils übt Höhler Sachkritik – etwa an der hektischen Art des Atomausstiegs nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima. Oft aber wirkt „Die Patin“ wie eine Kampfschrift, ein Aufruf zum M-Sturz.

Konservative Intellektuelle schürt Unzufriedenheit

Ein Jahr vor der Bundestagswahl schürt die konservative Intellektuelle die Unzufriedenheit mit Merkel in Teilen der Union. Deren älteren Männern wirft sie vor, mit „der Faust in der Tasche“ feige gekniffen zu haben, als die „Alphawölfin im Schafspelz aus der trüben Ostkulisse“ sich an den Sturz des Kanzlers der Einheit gemacht habe. Vor allem an der Macht sei M. interessiert. Und zwar in ganz Europa. Mit der Ansicht steht Höhler nicht allein. „Die Germanisierung Europas macht rasche Fortschritte“, schrieb Felix E. Müller, der Chefredakteur der „Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag“. Merkel wolle ein Europa unter deutscher Führung. „Deshalb arbeitet sie auf die politische Union hin, die ihr den Durchgriff auf die inneren Verhältnisse der EU-Mitgliedsländer vor allem in Süd- und Osteuropa ermöglichen soll.“

Es mag mit Höhlers Wertschätzung für die oft kritische Sicht Schweizer Kommentatoren auf die Merkel-Politik zu tun haben, dass sie „Die Patin“ dem Zürcher Verlag Orell Füssli anvertraute. Aber sie zielt natürlich auf die Merkel-Debatten in Deutschland. „Das System M etabliert eine leise Variante autoritärer Machtentfaltung, die Deutschland so noch nicht kannte“, meint die Beraterin für Wirtschaft und Politik, die zu Kohls Zeiten auch mal als Ministerin im Gespräch war. Selbst den Vergleich mit Nationalsozialismus und Kommunismus hält sie für angebracht.

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