Brasiliens Google-Chef muss in Haft
Silva Coelho wehrt sich, ein YouTube-Video zu sperren, auf dem ein Bürgermeister-Kandidat diffamiert wird. Ein Richter ordnete Coelhos Verhaftung an.
Google hat Berufung gegen das Urteil eingelegt, wonach Silva Coelho in Haft muss. Ein anderer Richter wies diese aber zurück. Foto: afp
Rio de Janeiro. Ein Wahlgericht hat die Verhaftung des brasilianischen Präsidenten des Internetriesen Google angeordnet, weil er die Sperrung angeblich beleidigender YouTube-Videos verweigert. Wie am Dienstag bekannt wurde, hatte das Gericht im südwestlichen Bundesstaat Mato Grosso do Sul bereits vergangene Woche die Festnahme von Fabio José Silva Coelho wegen Ungehorsams verfügt. Google habe Berufung eingelegt, weil es nicht verantwortlich für Inhalte der Videoplattform sei, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag. Ein anderer Richter wies die Berufung jedoch zurück.
Laut dem Gericht wird der Kandidat für die Bürgermeisterwahl in der Stadt Campo Grande, Alcides Bernal, in zwei Videos auf YouTube „verleumdet, beleidigt und diffamiert“. Die Polizei des Bundesstaats hat den Haftbefehl nach eigenen Angaben an die Kollegen in São Paulo weitergeleitet, wo Silva Coelho lebt. Nach Angaben der dortigen Polizei traf der Haftbefehl aber bislang nicht ein.
Vor zehn Tagen hatte ein Wahlgericht im nordöstlichen Bundesstaat Paraiba ein ähnliches Urteil gegen Google-Direktor Edmundo Balthazar gefällt, weil er sich weigerte, ein Video zu sperren, in dem ein Bürgermeisterkandidat als „Esel“ bezeichnet wurde. Google legte Berufung ein und erhielt Recht. Die erste Runde der Kommunalwahlen in mehr als 5000 brasilianischen Städten findet am 7. Oktober statt. (afp)

