Politik 15.05.2010, 12:21 Uhr

Kirchentag: Eklat bei Missbrauchsdebatte

Eine Opfer-Initiative hat die Veranstaltung über Missbrauch in der katholischen Kirche auf dem Kirchentag gestört.

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Der Sprecher des netzwerks B (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt), Norbert Denef, protestiert gegen eine Podiums-Veranstaltung zum Thema Missbrauch in der Kirche.

Der Sprecher des netzwerks B (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt), Norbert Denef, protestiert gegen eine Podiums-Veranstaltung zum Thema Missbrauch in der Kirche.

München. Buhrufe für einen Bischof, Flugblätter mit Opfer- Fotos, dazu ein „Störenfried“ und knallharte Systemkritik an der katholischen Kirche - die Debatte um sexuellen Missbrauch hat am Freitag auf dem Ökumenischen Kirchentag in München große Emotionen freigesetzt. In der überfüllten Messehalle C 1 begleiteten am Freitag rund 6000 Menschen die Diskussion auf dem Podium immer wieder mit Applaus, aber auch mit für einen Kirchentag ungewöhnlichen Unmutsäußerungen.

Bischof Stephan Ackermann, der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, hatte eine schweren Stand - ausgerechnet wegen der Kritik aus den eigenen katholischen Reihen. In der Debatte empfahlen der Jesuitenpater Klaus Mertes, Leiter des Berliner Canisius Kollegs, und der katholische Theologe und Psychologe Wunibald Müller die Einführung des Frauenpriestertums und die Abschaffung des Zwangszölibats für Priester.

Beide machten deutlich, dass bei vielen Priesteramtskandidaten heute eine unreife Sexualität Fehlentwicklungen begünstigen könne. Außerdem übte Müller ungewöhnlich scharfe Kritik an der Amtskirche: „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren in der Kirche einen Personenkult entwickelt, der missbrauchsfördernd ist.“ Nach Ansicht von Mertes fehlt es an innerkirchlicher Offenheit - „weil wir disziplinarische Folgen befürchten müssen oder Loyalitätskonflikte drohen; da herrscht Müdigkeit, eine gewisse Erschöpfung.“

Als Mertes zur Eröffnung ans Rednerpult ging, stürmte Norbert Denef, Vorsitzender des „Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.“, vor die Bühne und forderte - sofort von einem Pulk von Kameraleuten und Fotografen umringt - den Abbruch der Veranstaltung. Als Grund nannte er, dass die Opfer keine Stimme hätten auf dem Podium und es zudem nur um die Kirchenstrukturen gehe. Die Opfer würden wieder einmal ausgeblendet. Vor dieser „Störenfried“-Aktion waren vor der Bühne Flugblätter mit Porträtfotos von Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester auf den Boden gelegt worden. Kirchentagshelfer sammelten die Flugblätter aber umgehend ein.

 

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