Politik 19.08.2012, 18:02 Uhr

Endrunde für Griechenland

Berlin lehnt ein neues Rettungspaket weiter ab. Diese Woche kommt Athens Regierungschef Samaras zu Merkel. Streit mit Frankreich steht bevor.

Griechenland kämpft gegen die Staatspleite. Foto: dpa

Griechenland kämpft gegen die Staatspleite. Foto: dpa

Berlin/Athen. Für Griechenland geht der Kampf gegen die Staatspleite in die Endrunde - aber die Bundesregierung lehnt weitere Zugeständnisse in der Euro-Krise ab. Athen sollen weitere 2,5 Milliarden Euro in der Kasse fehlen. Es wird in Berlin nicht mehr ausgeschlossen, dass Athen den Euro aufgibt. Nach Ansicht des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) wäre das keine Bedrohung für die deutsche Wirtschaft.

Am Sonntag reiste der griechische Außenminister Dimitris Avramopoulos nach Deutschland. Er wollte das Treffen von Regierungschef Antonis Samaras mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag vorbereiten, dem die Griechen große Bedeutung beimessen. Am Donnerstag kommt Frankreichs Präsident François Hollande zu einem Krisentreffen nach Berlin.

Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ laufen bereits Vorbereitungen für den Fall, dass Griechenland die Währungsunion verlässt. Im Mittelpunkt stehe dabei die Frage, wie man die übrigen Euro-Krisenländer vor den Auswirkungen abschirmt. Zunächst soll der dauerhafte Rettungsschirm ESM einsatzbereit sein, dazu muss das Urteil des Bundesverfassungsgerichts am 12. September abgewartet werden. Nach dem Bericht dringt Frankreich allerdings mit anderen südeuropäischen Ländern darauf, Athen neue Hilfen zu gewähren, um ein Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion zu vermeiden.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich dagegen skeptisch zu neuen Hilfsprogrammen. Die Hilfe für kriselnde Euro-Länder dürfe kein „Fass ohne Boden“ werden, warnte er in einer Gesprächsrunde mit Bürgern. Deutschland bleibe aber weiter bemüht, Griechenland zu helfen. Schäuble warnte vor Überheblichkeit gegenüber den kriselnden Euro-Ländern. „Auch wir bescheißen gelegentlich, auch wir verstoßen gegen Regeln“, sagte Schäuble.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der am Montag mit seinem griechischen Kollegen zusammentrifft, lehnt Zugeständnisse an die Regierung in Athen ab. Er sagte dem „Tagesspiegel am Sonntag“, eine Aufweichung der vereinbarten Reformen komme „in der Substanz“ nicht in Betracht. Dies würde von anderen Ländern wie Spanien missverstanden werden. Zugleich warb Westerwelle für mehr Verständnis mit den Griechen. „Die Menschen in Griechenland können nichts dafür, dass griechische Verantwortungsträger in den letzten Jahren ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind.“

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