Politik 15.07.2012, 09:37 Uhr

Erklärstunde eines überzeugten Europäers

Wolfgang Schäuble war zu Gast beim Regensburger Zukunftsforum. Die europäische Idee ist für ihn eine Herzensangelegenheit.

Machte Werbung für das Vertrauen in Europa: Wolfgang Schäuble Foto: altrofoto.de

Machte Werbung für das Vertrauen in Europa: Wolfgang Schäuble Foto: altrofoto.de

Von Christian Kucznierz, MZ

Regensburg. Europa ist mehr als der Euro und mehr als die Schuldenkrise: Wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble über die Gemeinschaft spricht, wird es schnell grundsätzlich. Dass das nicht gleichzusetzen ist mit „langweilig“, hat der Minister am Samstag im Historischen Reichssaal in Regensburg unter Beweis gestellt. Schäuble war Gast beim 11. Regensburger Zukunftsforum, das der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer (CSU) zusammen mit der Stadt Regensburg veranstaltete.

Schäuble könnte eine Abhandlung präsentieren über die Grenzen der Europäischen Union, über die gemeinsame Fiskalpolitik, über die Inhalte von ESM und Fiskalpakt. Schließlich befasst er sich tagtäglich damit. Aber Schäuble macht mehr. Er erzählt, warum dies alles wichtig ist – und welchem Ziel diese Maßnahmen und Verträge dienen: dem Erhalt nicht nur der Europäischen Union, sondern auch der europäischen Idee.

Europa als Zukunftsprojekt

Der Bogen, den der Minister schlägt, ist weit. Vielleicht unter dem Eindruck des historischen Ambientes spricht Schäuble vom Dreißigjährigen Krieg, von Napoleon, von der Bildung der Nationalstaaten, die ihr Scheitern erst nach zwei blutigen Weltkriegen erkennen konnten. „Die Zeit, in der die Nationalstaaten alles allein regelten, ist vorbei“, sagt Schäuble. Was folgte aus der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs war die Idee eines gemeinsamen Europas und die schrittweise politische Umsetzung. Und diese Idee sei ein voller Erfolg: „Es wird mit dem oder ohne den Euro keinen Krieg mehr geben zwischen Frankreich und Deutschland“, sagt der Minister.

Schäuble erklärt Europa, ganz in dem Sinne, wie er es bereits im Interview mit der MZ gefordert hatte. Nicht nur ein Friedensprojekt sei Europa, sondern auch der einzige Weg, wie sich die Mitgliedsstaaten der EU in der Zukunft in der Welt noch Gehör verschaffen könnten: „In dieser Welt des 21. Jahrhunderts werden wir einen unserer Vorstellung entsprechenden Einfluss nur dann haben, wenn wir Europäer das gemeinsam machen.“ Dabei setzt Schäuble nicht auf Gleichmacherei, denn die Stärke Europas sei seine Vielfalt. Er setzt auf eine Balance aus Vielfalt und Einheit; gelänge die, sei der Kontinent als Gemeinschaft für die Zukunft bestens aufgestellt.

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