Politik 19.03.2012, 21:41 Uhr

Frankreich unter Schock

Nach den Anschlägen auf eine jüdische Schule und Soldaten hat Präsident Nicolas Sarkozy verschärfte Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet.


        Am Tatort haben Menschen Blumen niedergelegt. Sie gedenken der Ermordeten.

Am Tatort haben Menschen Blumen niedergelegt. Sie gedenken der Ermordeten.

Toulouse. Nach den tödlichen Schüssen auf drei Kinder und einen Lehrer in Toulouse hat Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy für die südfranzösische Region verschärfte Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Die höchste Stufe des Anti-Terrorplans Vigipirate sei in Kraft, sagte Sarkozy am Montag im Elysée-Palast nach seiner Rückkehr aus Toulouse. Der Angriff auf die jüdische Schule habe eine „offensichtlich antisemtische Motivation“.

Für die Region Midi-Pyrénées und mehrere angrenzende Départements seien besondere Schutzmaßnahmen in die Wege geleitet worden, sagte Sarkozy. Er kündigte für Dienstag ein Treffen mit den Vertretern der jüdischen und muslimischen Gemeinde in Frankreich an, um zu zeigen, dass „die ganze Republik an ihrer Seite ist“ und „jeder seinen Glauben und seine Andersartigkeit leben kann“.

Am Abend nahmen Sarkozy und sein sozialistischer Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl, François Hollande, sowie zahlreiche Kabinettsmitglieder und weitere Politiker an einem Gottesdienst in der Nazareth-Synagoge in Paris teil. In Toulouse kamen die Mitglieder der jüdischen Gemeinde der Stadt in der jüdischen Schule Ozar Hatorah zusammen, um über Nacht eine Totenwache zu halten.

Bei dem Angriff waren am Montagmorgen waren drei Schüler und ein Religionslehrer erschossen worden. Gegen 8 Uhr morgens eröffnete der unbekannte Täter vor der Schule das Feuer: Er erschoss zunächst den Lehrer vor der Schule, ging dann auf das Gelände und feuerte dort wahllos auf Erwachsene und Schüler, wie die Staatsanwaltschaft Toulouse mitteilte. Dabei starben die beiden Kinder des Lehrers sowie die Tochter des Schuldirektors.

Das israelische Außenministerium teilte mit, der Lehrer sei 30 Jahre alt gewesen, seine Söhne vier und fünf, die Tochter des Schulleiters sieben. Ein 17-Jähriger wurde schwer verletzt.

Zeugen beschrieben den Täter als kaltblütig. Er habe auf alle Menschen gefeuert, die er zu Gesicht bekommen habe. Das kleine Mädchen habe er verfolgt, um ihm direkt in den Kopf zu schießen. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen benutzte er dieselbe Waffe vom Kaliber 11,43 Millimeter, mit der in den vergangenen Tagen bereits bei zwei Angriffen in Toulouse und in Montauban drei Fallschirmjäger getötet wurden. Der Angreifer fuhr demnach einen Yamaha-Motorroller vom Typ T-MAX, der vor über einer Woche in Toulouse gestohlen worden war.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen wird vor allem die These verfolgt, dass es sich bei dem Täter um einen rassistischen Militärangehörigen oder Ex-Militär handeln könnte. Die drei getöteten Fallschirmjäger waren nordafrikanischer Abstammung, ein weiterer, lebensgefährlich verletzter Soldat ist Schwarzer.

 

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