Politik 18.06.2012, 21:18 Uhr

Gauck nach wie vor für Überraschungen gut

Seit 100 Tagen ist der neue Bundespräsident Joachim Gauck im Amt. Die Politik hat manchmal noch Probleme mit ihm. Die Menschen nicht.

In den ersten 100 Tagen als Bundespräsident hat Joachim Gauck viele Anstöße gegeben, Aufmerksamkeit gefunden und auch Kontroversen ausgelöst. Foto: dpa

In den ersten 100 Tagen als Bundespräsident hat Joachim Gauck viele Anstöße gegeben, Aufmerksamkeit gefunden und auch Kontroversen ausgelöst. Foto: dpa

Von Thomas Lanig, dpa

Berlin. Wenn es so weitergeht, steht uns noch einiges bevor. Denn reibungslos waren sie nicht, die ersten 100 Tage des Bundespräsidenten Joachim Gauck. Nach eher zaghaftem Beginn hat er fast Woche für Woche Aufmerksamkeit gefunden, auch Kritik und Kontroversen ausgelöst, zuletzt über die Auslandseinsätze der Bundeswehr, „Mut-Bürger“ in Uniform und die „glückssüchtigen“ Deutschen. Die Warnung vor Planwirtschaft bei der Energiewende, der Islam, der vielleicht doch nicht zu Deutschland gehört, und der spektakuläre Abschied von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) liegen noch nicht lange zurück.

Dazwischen hat uns der 72-Jährige starke Bilder beschert, dabei waren emotionale Jubelszenen aus Fußballstadien, Trauer in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, würdiges Gedenken im holländischen Breda. Fast immer dabei war Lebensgefährtin Daniela Schadt, die zwar zugibt, ihre neue Rolle noch nicht ganz gefunden zu haben, die aber große Sympathie und Anerkennung findet. Manchmal scheint das erste Paar der Republik noch überrascht von der neuen Rolle und Prominenz. Vor dem Treffen mit der niederländischen Königin Beatrix etwa sagte Gauck: „Ich übernachte heute im Schloss– auch schön, so etwas.“

Oft zählen die kleinen Dinge

Vielleicht erstaunlich, dass es die eine große Rede des großen Redners Gauck noch nicht gegeben hat, dass das große Thema seiner Amtszeit noch nicht zu erkennen ist. Vielleicht soll es das auch gar nicht geben. Plakative Botschaften sind dem Ex-Pastor aus der DDR fremd. Das unterscheidet Gauck wohl auch von seinem Vorgänger Christian Wulff. Manchmal sind es nicht die festlichen Reden, sondern kleine, eigentlich nur protokollarische Auftritte, die ein Zeichen setzen. Die Entlassung Röttgens mit sehr herzlichen Worten war ein solcher Moment, in dem Gauck – bewusst oder nicht– Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besonders schlecht aussehen ließ. Gauck und Merkel: Dieses Thema beschäftigt die Berliner Szene intensiv.

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