Politik 21.02.2012, 18:29 Uhr

Gauck gerät in den Fokus

Zwei Tage ist Gauck Kandidat, die Zustimmung ist enorm. Aber er muss zugleich Kritik einstecken. Auch sein Privatleben interessiert plötzlich.


        Gerade erst nominiert, und schon gibt es Debatten um den Präsidentschaftskandidaten Gauck. Er erfährt große Unterstützung, es gibt aber auch Kritik.

Gerade erst nominiert, und schon gibt es Debatten um den Präsidentschaftskandidaten Gauck. Er erfährt große Unterstützung, es gibt aber auch Kritik.

Berlin. Die FDP will nach dem Erfolg bei der Nominierung von Joachim Gauck für die Wahl des Bundespräsidenten selbstbewusster gegenüber der Union auftreten. Dort hält der Ärger über den Koalitionspartner an. Unterdessen sehen fast 70 Prozent der Deutschen den früheren Bürgerrechtler als gute Wahl. Aber es gibt auch Kritik an Gauck, etwa zu seiner Haltung gegenüber der kapitalismuskritischen Occupy-Bewegung. Und auch über sein Privatleben wird diskutiert.

FDP-Parteichef Philipp Rösler sagte: „Wir haben erfahren, dass wir mit unseren eigenen Erfolgen lauter hausieren gehen müssen.“ Und in Anspielung darauf, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Druck der FDP den von SPD und Grünen favorisierten Gauck als künftigen Präsidenten akzeptieren musste, sagte er: „Meine Art von Kämpfernatur äußert sich eher in Zähigkeit und Ausdauer. Wie man ja aktuell gesehen hat.“ Der 72-jährige Gauck soll am 18. März von der Bundesversammlung zum elften Bundespräsidenten gewählt werden.

Große Verärgerung über die FDP

In Unionskreisen hieß es am Dienstag, zwar gebe es große Verärgerung über die FDP. Das heiße aber nicht, dass die Union nicht weiterhin professionell mit den Liberalen zusammenarbeiten wolle und werde. „Ich finde es beachtlich, dass sich die Liberalen mit SPD und Grünen ins Bett legen“, sagte Fraktionsvize Michael Meister dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Nach Einschätzung von Südwest-CDU-Chef Thomas Strobl haben die Liberalen vollkommen überzogen. „Eine Wiederholung eines solchen Verhaltens wird es in der Koalition mit Sicherheit nicht geben“, sagte er den „Stuttgarter Nachrichten“.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) rief die Union im „Mannheimer Morgen“ zur Mäßigung auf. „Es gibt keinen Grund für persönliche Rachegefühle.“ Gauck sei einfach der beste Mann. In der FDP sieht man die Koalition trotz der Niederlage Merkels nicht als beschädigt an. Der FDP-Abgeordnete Burkhardt Müller-Sönksen warnte die Union im „Hamburger Abendblatt“: „Es wäre falsch, jetzt beleidigt an einer Dolchstoßlegende zu stricken.“ Dies - und nicht das Agieren der Liberalen - würde den Koalitionsfrieden gefährden.

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