Politik 02.09.2012, 17:04 Uhr

Grüne stimmen für Urwahl

Alle Macht der Basis: Wer soll die Grünen im Bundestagswahlkampf führen? Die Mitglieder entscheiden per Urwahl. Es ist das erste Mal in Deutschland.

Cem Özdemir, Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, sitzt am Sonntag auf dem Sonderparteitag seiner Partei in Berlin neben der Vorsitzenden Claudia Roth. Foto: dpa

Cem Özdemir, Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, sitzt am Sonntag auf dem Sonderparteitag seiner Partei in Berlin neben der Vorsitzenden Claudia Roth. Foto: dpa

Berlin. Als erste deutsche Partei lassen die Grünen ihre Mitglieder in einer Urwahl über die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl entscheiden. Die rund 80 Delegierten eines kleinen Parteitags stimmten am Sonntag in Berlin dem Antrag des Parteivorstands fast einmütig zu, das Spitzen-Duo von den 60.000 Mitgliedern wählen zu lassen. Unter den beiden Spitzenkandidaten der Grünen muss mindestens eine Frau sein. Ein zentrales Wahlkampfthema soll die aus Sicht der Grünen zu zögerliche Energiewende sein.

„Ich bin mir sicher, dass wir einen Beitrag zur Weiterentwicklung demokratischer Prozesse leisten werden“, sagte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke. Sie warb vor den Delegierten für die Urwahl. „Das wäre im Übrigen ein ziemlich geiler Start in den Wahlkampf“, sagte Lemke Es gab eine Enthaltung und eine Gegenstimme.

Bewerben wollen sich die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast (56) und Jürgen Trittin (58), Parteichefin Claudia Roth (57), Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (46) sowie die Basis-Vertreter Franz Spitzenberger und Werner Winkler.

„Signal auch für andere Parteien“

Trittin und Künast begrüßten die Entscheidung. „Wir sind unterschiedliche Typen, haben unterschiedliche Schwerpunkte und Herangehensweisen und bringen unterschiedliche Kompetenzen mit“, sagte Künast. „Damit setzen wir ein Signal auch für andere Parteien“, sagte Trittin.

Roth hielt Befürchtungen, dass es nun zu einem Hickhack kommt, entgegen: „Wir kennen uns, wir schätzen uns, wir achten uns.“ Die Grünen wollten mit einem fairen Verfahren Maßstäbe setzen. Eine Debatte über das Für und Wider einer Urwahl war aufgrund von Parteitags-Formalia ausgefallen.

Auch Fraktionschef Trittin widersprach dem Vorwurf aus den eigenen Reihen, die Partei befasse sich mehr mit Personen als mit Programmen. „Wir haben als erste Partei einen Prioritätenkatalog vorgelegt. Wir tun seit einem halben Jahr nichts anderes, als uns mit Inhalten zu beschäftigen“, sagte Trittin in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“.

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