Berlin weist Vorwürfe von Häftling zurück
Ein ehemaliger Regensburger sitzt seit 2006 in der umkämpften syrischen Metropole Aleppo in Haft und bemängelt fehlende Unterstützung aus Deutschland.
In Aleppo liefern sich syrische Soldaten und Aufständische heftige Gefechte. Foto: afp
Damaskus/Berlin. Die Bundesregierung setzt sich gegen schwere Vorwürfe eines Deutschen zur Wehr, der in der umkämpften Stadt Aleppo in einem syrischen Gefängnis sitzt. Das Auswärtige Amt wies gestern die Kritik zurück, sich um den 51-Jährigen nicht ausreichend zu kümmern. Der Mann werde bereits seit seiner Inhaftierung 2006 betreut, sagte eine Ministeriumssprecherin. Nach der Schließung der deutschen Botschaft in Damaskus sei die Botschaft in Libanons Hauptstadt Beirut eingeschaltet worden. Der Bundesbürger, der auch einen syrischen Pass besitzt, hatte sich in einer Mitteilung an die „Süddeutsche Zeitung“ über mangelhafte Unterstützung durch die Bundesregierung beschwert. Dem Auswärtigen Amt warf er sogar vor, „total versagt“ zu haben. Nach der Erschießung von anderen Häftlingen im Zentralgefängnis von Aleppo fürchte er um sein Leben. Angeblich sitzt er in einer Zelle mit mehreren Dutzend anderen Häftlingen.
Dem Auswärtigen Amt zufolge bemühte sich die Bundesregierung erst im Juni wieder um bessere Haftbedingungen. Die syrischen Behörden seien offiziell aufgefordert worden, den Zugang zu medizinischer Grundversorgung und Medikamenten sowie die Einhaltung von internationalen Mindeststandards im Strafvollzug zu garantieren. Auch zuvor schon habe die inzwischen aus Sicherheitsgründen geschlossene Botschaft den Fall „sehr eng begleitet“, sagte die Sprecherin. Eine weitere Nachfrage der MZ beim Auswärtigen Amt blieb bislang unbeantwortet.
Von Regensburg nach Aleppo
Der Fall Mohamed-Fawzi Yosef war bereits im Jahr seiner Inhaftierung Thema. Der „Spiegel“ sprach damals gar von einer „ernsthaften Belastung der deutsch-syrischen Beziehungen“, weil die Gründe für seine Inhaftierung unklar gewesen seien. Ein möglicher Grund könnten seine Kontakte zu der in Syrien verbotenen Muslimbruderschaft sein, von denen der „Spiegel“ damals schrieb.
Die Geschichte ist schwer nachzuverfolgen. Der Bericht der SZ baut auf dem des „Spiegels“ auf. Die Verwandten des Mannes, die als Quelle in beiden Texten zitiert werden, waren am Donnerstag nicht zu sprechen. Fest steht, dass Mohamed-Fawzi Yosef von 1991 an mit Unterbrechungen in Regensburg gelebt hatte, wie der MZ am Donnerstag bestätigt wurde. Eigentlich irakischer Kurde, war Yosef nach Deutschland gekommen und hatte hier Asyl beantragt. Einen deutschen Pass bekam er 1993. In Regensburg studierte er Geschichte. 2005 reiste er erstmals nach Syrien, wohin laut dem Magazin seine Frau mit den vier Kindern gegangen war, wohl aus finanziellen Gründen. Ein Jahr später reiste Yosef erneut zu seiner Familie. Bei dieser Reise nahmen ihm die syrischen Behörden den Pass weg. Yosef versuchte zu fliehen, wurde festgenommen und inhaftiert.

