Herrmann: Visafreiheit aussetzen
Der Innenminister: Viele nutzten die Reisefreiheit, um in Deutschland Asylantrag zu stellen – ohne verfolgt zu werden. Der Flüchtlingsrat widerspricht.
Der bayerische Innenminister sieht einen „dramatischen Anstieg“ der Asylbewerberzahlen. Foto: dpa
Nürnberg. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat angesichts eines „dramatischen Anstiegs“ der Asylbewerberzahlen erneut das Aussetzen der Visafreiheit für Bürger aus Mazedonien und Serbien gefordert. Die Asylanträge von Angehörigen dieser beiden Staaten würden fast ausschließlich gestellt, um in Deutschland an Geldleistungen zu kommen, sagte Herrmann am Freitag in Nürnberg. „Das zeigt die Anerkennungsquote, die praktisch bei null liegt.“ Herrmann wiederholte daher seine Forderung von Anfang Oktober, dass die Visafreiheit für die beiden Balkanländer ausgesetzt werden müsse. Dafür sprach sich am Freitag auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in Berlin aus.
Asylverfahren beschleunigen
Herrmann forderte zudem, dass die Asylverfahren in Deutschland erheblich beschleunigt werden müssten - so sei es etwa denkbar, gut 200 Beamte der Bundeswehrverwaltung zur Bearbeitung der Anträge heranzuziehen. Im Vergleich zu 2007 verdreifacht sich die Zahl der Asylanträge in diesem Jahr voraussichtlich auf mehr als 50 000.
Der bayerische Flüchtlingsrat kritisierte Herrmanns Visa-Forderung. Bei den Antragstellern aus Mazedonien und Serbien handele es sich zum größten Teil um Roma. „Roma sind die am meisten diskriminierte Minderheit in Europa“, hieß es in einer Mitteilung. Ihre rassistische Diskriminierung und Verfolgung habe schlimmste Ausmaße angenommen.
Auch die Grünen im Landtag sehen in der gestiegen Zahl der Mazedonier und Serben vor allem ein Zeichen für die Ausgrenzung der dortigen Minderheiten. „Statt über eine Wiedereinführung der Visumspflicht zu diskutieren, sollte sich die Staatsregierung lieber mit allen Mitteln dafür einsetzen, die Situation der Roma und Albaner vor Ort nachhaltig zu verbessern“, erklärte die asylpolitische Sprecherin Renate Ackermann. Diese seien oft von Bildung, Arbeit und anderen elementaren Menschenrechten ausgeschlossen.

