Massenproteste in Portugal und Spanien
Millionen demonstrieren am Wochenende gegen den Sparkurs: Jeder zehnte Portugiese geht auf die Straße. Auch die Spanier fordern ein Ende des Spardiktats.
Lissabon/Madrid. Trotz jüngster Zugeständnisse der internationalen Geldgeber haben in Portugal mehr als eine Million Menschen gegen die Sparpolitik protestiert. Die Zeitung „Público“ sprach am Sonntag von der größten Demonstration seit dem Ende der Diktatur 1974. Auch in Spanien gingen Zehntausende gegen die Sozialkürzungen auf die Straßen. Im Kampf gegen eine Ausweitung der Schuldenkrise gibt es unterdessen weiter Streit über die geplante neue europäische Bankenaufsicht. Dabei stößt Deutschland mit Zweifeln am Starttermin 2013 bei wichtigen Europartnern auf Kritik.
„Ich wünsche, dass wir rasch vorankommen“, sagte Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici am Samstag in Nikosia auf Zypern nach Beratungen mit seinen EU-Kollegen über die europäische Bankenaufsicht. Er berief sich auf die Beschlüsse des EU-Gipfels Ende Juni, der einen Abschluss der Verhandlungen bis Ende 2012 vorgebe.
Die Bankenaufsicht erhitzt die Gemüter
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble interpretiert die Beschlüsse der Staats- und Regierungschefs indes anders. In dem Gipfelbeschluss sei lediglich von einer Prüfung der Kommissionsvorschläge bis zum Jahresende die Rede. „Der Bitte sind wir nachgekommen, wir haben sie schon geprüft.“ Die gemeinsame Aufsicht ist Voraussetzung dafür, dass marode Banken direkt Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM bekommen können.
Die Aufsicht soll bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelt werden und in der Endstufe 6000 Geldhäuser in den 17 Euroländern kontrollieren. Sie ist auch die Voraussetzung dafür, dass klamme Institute direkt auf Kredite aus den Euro-Rettungsfonds zugreifen können.
Portugiesen wollen den Rücktritt der Regierung, Spanier eine Volksabstimmung
Auch Spanien dringt auf einen schnellen Start. Auf der iberischen Halbinsel demonstrierten die Bürger gegen die harten Sozialkürzungen zur Rettung des Euro. In Portugal forderten die Demonstranten am Samstag den Rücktritt der Mitte-Rechts-Regierung, in Spanien eine Volksabstimmung über die Sparpolitik. Doch während in der portugiesischen Regierung Zweifel am eigenen Kurs wachsen, will Madrid die Maßnahmen sogar noch verschärfen.





