Politik 29.04.2012, 19:47 Uhr

Ukraine droht EM-Desaster

Die Kanzlerin will Ministern empfehlen, der EM fernzubleiben. Auch FC Bayern-Präsident Hoeneß fordert Solidarität mit den Regierungskritikern.


        Im Stadion von Kiew werden EM-Spiele ausgetragen.

Im Stadion von Kiew werden EM-Spiele ausgetragen.

Berlin. Die Fußball-Europameisterschaft droht für Gastgeber Ukraine wegen des Umgangs mit der inhaftierten Politikerin Julia Timoschenko zu einem diplomatischen Fiasko zu werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwägt einen politischen Boykott. Sollte die in der Haft erkrankte Oppositionsführerin nicht freigelassen werden, will Merkel ihren Ministern laut „Spiegel“ empfehlen, den Spielen in der Ukraine fernzubleiben. Das Land trägt gemeinsam mit Polen die am 8. Juni beginnende Fußball-EM aus.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) plädierte am Sonntag als erstes Kabinettsmitglied offen für einen Boykott. „Es muss unbedingt verhindert werden, dass das ukrainische Regime die EM zur Aufwertung ihrer Diktatur nutzt“, sagte er der „Bild“-Zeitung. „Deshalb finde ich, dass Besuche von Ministern und Ministerpräsidenten zur EM nach jetzigem Stand nicht infrage kommen.“

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich schockiert über den Umgang mit Timoschenko, die seit längerem über starke Rückenschmerzen klagt. Ihr werde „entgegen aller rechtlichen und moralischen Pflichten in der Ukraine eine angemessene medizinische Behandlung verweigert“, sagte der FDP-Politiker der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Die Widersacherin von Präsident Viktor Janukowitsch befindet sich nach eigenen Angaben seit dem 20. April im Hungerstreik. Sie wirft dem Staat Foltermethoden in Haft vor, weil sie nicht ordnungsgemäß behandelt werde. Der Machtapparat bezeichnete sie dagegen als Simulantin. Jüngste Fotos zeigen die 51-Jährige mit Prellungen, die ihr Wachbeamte zugefügt haben sollen.

Merkel hatte in einem Interview den Umgang mit der früheren ukrainischen Regierungschefin scharf kritisiert und deren Behandlung in einem Krankenhaus in Deutschland befürwortet. Dies stieß am Wochenende auf Empörung bei der Regierungspartei in Kiew.

 

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