Politik 19.09.2012, 17:35 Uhr

Mohammed-Karikaturen schüren neuen Hass

Freie Meinung oder unter der Gürtellinie? Mit Karikaturen provoziert ein Magazin neue anti-westliche Ausschreitungen - und will jetzt nachdrucken.

Die Proteste in der arabischen Welt gegen ein islamfeindliches Schmäh-Video gehen weiter. Indes gießt ein französisches Magazin weiteres Öl ins Feuer. Foto: afp

Die Proteste in der arabischen Welt gegen ein islamfeindliches Schmäh-Video gehen weiter. Indes gießt ein französisches Magazin weiteres Öl ins Feuer. Foto: afp

Paris/Berlin. Ein Pariser Satire-Blatt fordert die islamische Welt heraus: Seitenweise derbe Mohammed-Karikaturen lassen Frankreich und den Westen insgesamt vor neuen anti-westlichen Unruhen zittern, nachdem schon das islamfeindliche Mohammed-Video für gewalttätige Massenproteste gesorgt hatte. Zahlreiche französische Einrichtungen im Ausland sollten vor den Freitagsgebeten sicherheitshalber geschlossen werden, nachdem die Wochenzeitung „Charlie Hebdo“ am Mittwoch mit neuen islamkritischen Karikaturen provozierte.

Betroffen sind nach Angaben des Außenministeriums in Paris Botschaften, Konsulate und Schulen in rund 20 Ländern. Auch Deutschland verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen. Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault rief die Medien seines Landes auf, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen. „Charlie Hebdo“ legt trotzdem noch einmal nach und will bis Freitag eine Sonderauflage der aktuellen Ausgabe hinterherschieben. Die ersten 75 000 Exemplare waren am Erscheinungstag bis zum Nachmittag ausverkauft.

Zeichnung zeigte Prophet nackt

In islamischen Ländern rund um den Globus gibt es seit einer Woche Massenproteste gegen ein Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Etliche Menschen starben, unter ihnen der US-Botschafter in Libyen

Der explosiven Lage zum Trotz veröffentlichte „Charlie Hebdo“ eine ganze Serie neuer Karikaturen, die mindestens an die Grenze der Geschmacklosigkeit gehen. Eine Zeichnung zeigt den Propheten nackt in Gebetshaltung mit hoch aufgerecktem Hintern. Darüber hat der Zeichner einen großen gelben Stern gesetzt. Das Bild ist überschrieben mit dem Satz: „Ein Stern ist geboren.“

Strenggläubige Muslime empfinden bereits Filme oder Karikaturen als anstößig, die den Propheten Mohammed als Person zeigen. Das ist nach ihrer Glaubensauffassung verboten. Mohammed-Karikaturen hatten daher schon mehrfach Unruhen in der islamischen Welt ausgelöst. Anfang 2006 kamen dabei mehr als 150 Menschen ums Leben. Auslöser waren damals Karikaturen in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“.

 

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