Politik 04.10.2012, 14:56 Uhr

Obama muss vorerst das Feld räumen

Im ersten TV-Duell wirkt der Präsident im Vergleich zu seinemHerausforderer Romney schwächer als gedacht. Das Rennen könnte wieder offen sein.

Stehen sich am Mittwochabend (Ortszeit) im TV-Duell gegenüber: US-Präsident Barack Obama (r.) und sein Herausforderer Mitt Romney Foto: afp

Stehen sich am Mittwochabend (Ortszeit) im TV-Duell gegenüber: US-Präsident Barack Obama (r.) und sein Herausforderer Mitt Romney Foto: afp

Von Christian Kucznierz, MZ

Denver. Die Analysten und Kommentatoren waren sich schnell einig: Der Gewinner heißt Mitt Romney. Und das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Denn die politischen Nachrufe und Abgesänge auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten waren entweder schon veröffentlicht oder lagen bereits zur Veröffentlichung bereit. Aber ganz offenbar haben alle die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Mitt Romney hat die Debatte, die in der Nacht zum Donnerstag unserer Zeit zwischen 40 und 60 Millionen Amerikaner vor die Bildschirme lockte, klar dominiert. Das muss auch der zugeben, der für den früheren Gouverneur von Massachusetts nichts oder nur wenig übrig hat.

Obama nicht schlecht, aber auch nicht gut

Freilich hat Obama seine Sache nicht wirklich schlecht gemacht. Nur eben auch nicht wirklich gut. Seine Worte an seine Frau Michelle, dass er den nächsten Hochzeitstag nicht vor der Kamera verbringen will, mögen fürs Herz gewesen sein; was er sonst noch sagte, eher weniger. Obama, der Mann, der vor vier Jahren auch in Deutschland bewies, dass er Menschen in seinen Bann schlagen kann, hat seine Magie am Donnerstag zu Hause vergessen.

In den USA werden TV-Duelle akribisch verfolgt. Es geht nicht nur um die Fakten, wobei die Fact Checker, also diejenigen, die die Fakten in den Aussagen der Politiker prüfen, schon während der Debatte viel zu tun hatten. Schließlich waren die Aussagen von Obama wie von Romney voll mit Fakten und Details, zu voll für viele Zuschauer, sollte man annehmen. Aber es geht eben nicht nur um die Fakten. Legendär ist das TV-Duell zwischen Richard Nixon und John F. Kennedy, in dem Nixon in Nahaufnahme zu sehen ist, wie er, noch von einer Grippe geschwächt schwitzt, wie sich sein Bartschatten abzeichnet - und wie ihm diese Bilder, die ihn düster und wenig sympathisch wirken ließen, am Ende mit den Sieg gekostet haben. Es geht um die Macht der Bilder. Nichts ist dem Zufall überlassen, und wer sich die Mühe macht, ein wenig im Netz zu recherchieren, wird schnell erkennen, wie groß der Druck ist, der heute auf Kandidaten lastet: Kein peinliches Grinsen, kein Augenrollen, kein Naserümpfen entgeht den Zuschauern mehr - umso weniger, weil unzählige Blogger und Social-Media-Affine diese Bilder oder kleinen Filme ins Internet stellen.

 

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