Politik 14.10.2012, 11:33 Uhr

Plagiatsvorwürfe verdichten sich

Ein Gutachter hat die Doktorarbeit von Bildungsministerin Schavan unter die Lupe genommen. Der Uni-Prüfer stellte „eine leitende Täuschungsabsicht“ fest.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan sieht sich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Foto: dpa

Bundesbildungsministerin Annette Schavan sieht sich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Foto: dpa

Hamburg. Die gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) erhobenen Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit verdichten sich. Ein Gutachter der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität erkennt an etlichen Stellen der Dissertation „das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“, wie der „Spiegel“ am Sonntag vorab berichtete. In dem vertraulichem 75-seitigen Papier stellt der Gutachter demnach bei Schavan „eine leitende Täuschungsabsicht“ fest und beanstandet Textstellen auf 60 der 351 Seiten der Dissertation.

Schavan wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Die Unterstellung einer Täuschungsabsicht weise ich entschieden zurück“, sagte Schavan.

Anfang Mai waren auf der Internetseite schavanplag.wordpress.com anonym Vorwürfe gegen die Doktorarbeit Schavans erhoben worden. Die Philosophische Fakultät der Universität Düsseldorf kündigte daraufhin eine Prüfung an. Dies geschah auch auf Bitte der Ministerin. Schavan hatte 1980 mit der Arbeit unter dem Titel „Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“ den Doktortitel erlangt.

Verfasser des Gutachtens ist laut „Spiegel“ der Professor für Jüdische Studien, Stefan Rohrbacher, der zugleich dem mit dem Prüfungsverfahren befassten Promotionsausschuss vorsteht. Sein Papier ist die Grundlage für Beratungen des Promotionsausschusses voraussichtlich am Mittwoch. Neben Rohrbacher sitzen im Ausschuss drei weitere Professoren, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Studentenvertreter. Sie geben eine Empfehlung an den Fakultätsrat ab, der dann über eine Aberkennung des Doktortitels zu entscheiden hat.

Laut „Spiegel“ kannte Schavan das Gutachten am Freitagabend noch nicht. Damit konfrontiert, habe sie mitteilen lassen: „Die erhobenen Vorwürfe treffen mich tief und schmerzen mich sehr; soweit die Fakultät mir Gelegenheit dazu gibt, werde ich nach sorgfältiger Prüfung dazu Stellung nehmen.

Der VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder hatte Schavan bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Mai zum Rücktritt aufgefordert. „Wer nicht weiß, wie man richtig zitiert, kann nicht Bundesforschungsministerin und Professorin sein“, hatte der bekannteste deutsche Plagiatsjäger damals gesagt. Heidlingsfelder wirkte bei der Aufdeckung von Plagiatsvorwürfen gegen mehrere Spitzenpolitiker wie den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin mit. (afp)

 

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