Politik 07.10.2012, 17:44 Uhr

Putin regiert wie ein Monarch

Das Geheimrezept des russischen Präsidenten ist eine gut durchdachte Mischung aus Härte, patriarchaler Fürsorge und gepfefferten Sprüchen.

Einmal ist er der mächtige Staatsmann, dann mimt er den aufgeklärten Freizeitmenschen oder den Präsidenten, der sich um die Sorgen und Nöte der Russen kümmert – Putin inszeniert sich geschickt. Foto: dpa

Einmal ist er der mächtige Staatsmann, dann mimt er den aufgeklärten Freizeitmenschen oder den Präsidenten, der sich um die Sorgen und Nöte der Russen kümmert – Putin inszeniert sich geschickt. Foto: dpa

Von Ulrich Heyden, MZ

Moskau. Wladimir Putin feierte seinen 60. Geburtstag im engsten Kreis von Familie und Freunden in seiner Heimatstadt St. Petersburg. Ob es davon Bilder geben wird, ist ungewiss. Doch der russische Fernseh-Kanal NTW hat dem Geburtstag des Kreml-Chefs eine dreistündige Abend-Show mit einem Putin-Interview und Bildern vom Leben des Präsidenten außerhalb des Kreml gewidmet. Man sieht Russlands Fast-Monarchen im Sportsaal, im Schwimmbad und in der Präsidenten-Limousine. Im NTW-Interview gibt sich der Präsident gegenüber der Protestbewegung versöhnlich. Angesprochen auf den Blogger und Anti-Korruptions-Kämpfer Aleksej Nawalni meint Putin, „wenn ein Mensch danach strebt etwas zu führen, soll er das tun, um zu zeigen, was er kann.“

Die Teilnehmerzahlen an den Demonstrationen der Protestbewegung gehen nach Putins Amtsantritt im Mai deutlich zurück. Putin setzt gegenüber der Protestbewegung auf eine Doppelstrategie. Einige bekannte Vertreter werden von den staatlichen Medien in die Ecke der vom Ausland bezahlten gerückt. Bei diesen will man strafrechtlich vorgehen. Für die große Masse der Unzufriedenen findet Putin dagegen versöhnliche Worte. Auf einer Pressekonferenz wurde der Kreml-Chef gefragt, warum, als er mit den Störchen im Motorsegler flog, nicht alle Vögel folgten. Das sei „Schuld des Piloten“, der „zu schnell beschleunigt“ habe, konterte Putin reumütig. Und in Anspielung auf die Bürger, die ihn nicht wählten und demonstrieren gehen, meinte der Kreml-Chef, die Vögel, die ihr eigenes Nest bauen, seien so oder so „Mitglieder unserer Population“. Man müsse sie „vorsichtig behandeln“.

Putin wurde im März mit 63 Prozent der Stimmen zum Präsidenten wiedergewählt und könnte Russland theoretisch noch zwei Amtszeiten bis 2020 regieren. Mit der russischen Protestbewegung für „ehrliche Wahlen“, die im vergangenen Winter bis zu 100.000 Menschen auf die Straße brachte, ist für Putin ein ernster Gegner entstanden. Deshalb arbeiten die staatlichen Fernsehkanäle auf Hochtouren und produzieren immer neue Enthüllungsfilme über die angebliche Finanzierung der Protestbewegung durch das westliche Ausland.

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