Politik 20.01.2011, 17:00 Uhr

Tunesien: EU will Ben Alis Konten sperren

Der Umsturz in Tunesien kam für die EU überraschend. Jetzt ringt die Gemeinschaft um Hilfe für das geschundene Land.

Wir sind das Volk: Auch am Donnerstag gingen in Tunis Demonstranten auf die Straße Die Menschen wollen mit der alten Garde nichts mehr zu tun haben, die auch nach der Flucht des Diktators Ben Ali in der Regierung sitzt.

Wir sind das Volk: Auch am Donnerstag gingen in Tunis Demonstranten auf die Straße Die Menschen wollen mit der alten Garde nichts mehr zu tun haben, die auch nach der Flucht des Diktators Ben Ali in der Regierung sitzt.

Aus Brüssel von unsererKorrespondentin Hanna Roth

Brüssel/Tunis. Der Sturz des Regimes des tunesischen Diktators Ben Ali hat die EU auf dem falschen Fuß erwischt. Während die Schweiz bereits am Mittwoch beschloss, Konten der geflohenen Herrscherfamilie einzufrieren, konnte sich die EU erst am Donnerstagabend nach zähen Verhandlungen dazu durchringen, das Vermögen des Diktators zu sperren. Was genau von Seiten der EU weiter unternommen werden soll, ist derzeit allerdings unklar. Erschwert wird ein gemeinsames Vorgehen auch dadurch, dass die 27 Mitgliedsstaaten in der Vergangenheit unterschiedliche Ziele verfolgt haben.

Hilfe für freie Wahlen?

„Wir bekräftigen unsere Solidarität mit Tunesien und seinem Volk“, sagte Catherine Ashton in Brüssel. Auch der Präsident des Europaparlamentes, Jerzy Buzek, fand in Straßburg blumige Worte: „Das Europäische Parlament spendet dem Mut des tunesischen Volkes und der Jasmin-Revolution im Lande Beifall.“ Während sich die EU also offiziell mit dem Land solidarisiert, versucht sie hinter den Kulissen seit dieser Woche die Hilfsmaschinerie für ein Maßnahmenpaket anzuwerfen. Am Dienstag traf sich in der EU-Hauptstadt das Politische und Sicherheitspolitische Komitee, das sich aus Vertretern der 27 Außenministerien zusammensetzt, um über die Lage in dem Maghreb-Land zu beraten. Dabei sind verschiedene Vorschläge besprochen worden. So zieht die EU auch ein Einreiseverbot für Ben Ali und seine Vertrauten in Erwägung. Auch über organisatorische Hilfe für freie Wahlen wurde diskutiert.

27 Staaten, 27 Ziele

Dass sich die EU noch zu keiner gemeinsamen Position durchringen konnte, hat seine Gründe. Verantwortlich dafür ist auch der uneinheitliche Kurs, den die einzelnen Staaten gegenüber dem früheren Regime fuhren. Vor allem südeuropäische Staaten wie Frankreich, Spanien und Malta haben Tunesien in den vergangenen Jahren bedingungslos unterstützt. Paris steht deswegen derzeit unter besonderem Beschuss. Außenministerin Michèle Alliot-Marie hatte zu Beginn der Unruhen dem Regime sogar noch die Hilfe französischer Sicherheitskräfte angeboten. Nun vollzog das Land eine radikale Kehrtwende. Als letzter EU-Staat sicherte Frankreich den Jasmin-Revolutionären seine Unterstützung zu.

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