Politik 08.10.2012, 10:50 Uhr

Steinbrück erstaunt über Misstrauen

Peer Steinbrück versucht, sich mit einer Attacke auf Kritiker aus der Defensive zu kämpfen. Der SPD-Kanzlerkandidat will seine Honorare offenlegen.

Peer Steinbrück pariert die Kritik an seinen Vortragshonoraren nach dem Motto „Angriff ist die beste Vereidigung“. Foto: afp

Peer Steinbrück pariert die Kritik an seinen Vortragshonoraren nach dem Motto „Angriff ist die beste Vereidigung“. Foto: afp

Berlin. So hat sich Peer Steinbrück seine erste Woche als designierter Kanzlerkandidat der SPD sicher nicht vorgestellt. „Es soll kein langweiliger Wahlkampf sein“, hatte er am Montag nach seiner Nominierung für den Spitzenposten verkündet und zum Angriff auf die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel geblasen. Das war es dann aber auch schon mit der Anfangsoffensive für einen Regierungswechsel. Der Rest der Woche bestand für ihn aus einem Abwehrkampf gegen Kritik an seinen Vortragshonoraren. Ein Ende der Debatte ist noch nicht absehbar.

Kritiker sehen „Geschmäckle“

Mindestens 560.000 Euro hat Steinbrück für 80 Vorträge seit der Bundestagswahl im Herbst 2009 erhalten. Der frühere Finanzminister hat die Honorare zwar den Regeln entsprechend dem Bundestag gemeldet. Kritiker – auch in der eigenen Partei – sehen allerdings ein „Geschmäckle“ in den von Banken und Unternehmen bezahlten Vorträgen.

Steinbrück reagierte zunächst zögerlich auf die Vorwürfe, um dann am Wochenende umso heftiger zum Gegenschlag auszuholen. „Ich habe mich nach Gesetz und Recht verhalten und habe es nicht für möglich gehalten, dass darüber Misstrauen entstehen kann“, sagte Steinbrück am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Günther Jauch“. Die heftige Debatte über seinen Vortragshonorare hat den SPD-Kanzlerkandidaten nach eigenen Worten überrascht. Jetzt lerne er, dass Misstrauen vorhanden sei.

Schärfere Transparenzregeln gefordert

Deshalb habe er einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer engagiert. „Ich lege gerne alle Daten offen. Ich werde auch gerne angeben, welches Durchschnittshonorar ich über ein Jahr bekommen habe.“ Den Vorwurf einer Nähe zur Bankenlobby nannte Steinbrück „absurd und dämlich“.

Am Wochenende hatte er vorgeschlagen, alle Abgeordneten zur Veröffentlichung ihrer Zusatzeinkünfte „bis auf den letzten Cent“ zu verpflichten. Damit ging er deutlich über die bisherigen Forderungen seiner Partei nach schärferen Transparenzregeln hinaus.

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