Politik 18.06.2012, 14:34 Uhr

Wahlsieger drücken aufs Tempo

Das Szenario eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone ist ausgeblieben. Die Wahlsieger wollen schon bis Dienstagabend eine Regierung bilden.

Antonis Samaras, Chef der Konservativen Partei Nea Dimokratia, soll eine griechische Regierung bilden. Foto: dpa

Antonis Samaras, Chef der Konservativen Partei Nea Dimokratia, soll eine griechische Regierung bilden. Foto: dpa

Athen. Nach dem Sieg der Euro-Befürworter bei der Parlamentswahl in Griechenland zeichnet sich eine überraschend schnelle Regierungsbildung ab. Angesichts der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise in der Geschichte des Landes erklärten sich die Sozialisten grundsätzlich bereit, mit der konservativen Nea Dimokratia eine Koalition zu bilden. „Das Land muss bis morgen Abend eine Regierung haben“, sagte der Parteichef der Sozialisten, Evangelos Venizelos, am Montag in Athen.

Beide Parteien wollen den Sparpakt mit den Geldgebern fortsetzen, erwarten aber Lockerungen. Konservative und Sozialisten haben eine Mehrheit von 162 der 300 Sitze im Parlament. Sie bemühen sich, die 17 Abgeordneten der gemäßigten demokratischen Linkspartei in die Koalition zu holen.

Erleichterung an den Börsen

Der Ausgang der Schicksalswahl sorgte in Griechenland, bei den Regierungen in Europa sowie den Börsen für Erleichterung. Nach den Worten von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ist die Europäische Union bereit, Griechenland dabei zu helfen, wieder auf die Füße zu kommen. Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker bekräftigte seine Forderung, das Griechenland verordnete Reformprogramm zeitlich zu strecken. Allerdings müsse Griechenland auch Rücksicht auf die 16 anderen Euroländer nehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wertete den Wahlausgang als gute Nachricht für den Euro, die Eurozone und Europa. Allerdings erteilte sie Forderungen eine klare Absage, die Sparauflagen zu lockern. „An diesen Reformschritten können keine Abstriche gemacht werden“, sagte Merkel vor Beginn des G20-Gipfels in Mexiko. Natürlich könne über zusätzliche Wachstumsimpulse geredet werden. „Das ändert aber nichts an den Rahmenbedingungen.“ Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte in Washington: „Es kann keine Rabatte geben, es kann keine Abstriche geben.“

Griechenland kann mit weiterer Auszahlung rechnen

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wiederholte nicht mehr seine Aussage vom Vorabend, dass sich die Bundesregierung eventuell mit einer Verlängerung der Fristen für die Sparmaßnahmen einverstanden erklären könne. Gleichwohl sagte er: „Die Wahlkämpfe in Griechenland haben Zeit gekostet, wertvolle Zeit.“

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