Politik 27.06.2012, 18:10 Uhr

Wie wollen wir im Alter leben?

Der Bundestag debattiert am Freitag über die Pflegereform - herauskommen wird wohl bestenfalls eine Übergangslösung. Wir wollten mit Betroffenen sprechen und haben Menschen besucht, die für ihren Lebensabend ganz unterschiedliche Modelle gewählt haben.

Menschen müssen im Alter nicht nur versorgt werden, sondern brauchen auch menschliche Nähe und nette Worte. Doch dazu bleibt im Pflegealltag oft zu wenig Zeit. Foto: dpa

Menschen müssen im Alter nicht nur versorgt werden, sondern brauchen auch menschliche Nähe und nette Worte. Doch dazu bleibt im Pflegealltag oft zu wenig Zeit. Foto: dpa

Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Regensburg. Der Bundestag setzt an diesem Freitag seine Arbeiten auf der Dauerbaustelle Pflegeversicherung fort. In zweiter und dritter Lesung soll das Gesetz zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung verabschiedet werden. Demenzkranke und ihre Angehörigen sollen nach dem Willen der Bundesregierung von 2013 an mehr Leistungen erhalten. Opposition und Verbände kritisieren das Konzept als halbherzig.

MZ-Redakteurin Isolde Stöcker-Gietl hat die aktuelle Debatte zum Anlass genommen und mit Betroffenen gesprochen. Sie besuchte Menschen, die für ihren Lebensabend ganz unterschiedliche Modelle gewählt haben. Ob Seniorenheimen, Senioren-WG, Mehrgenerationenwohnen oder ambulanter Pflegedienst – überall fand sie bei ihren Recherchen zufriedene Menschen. Von schlechter Pflege oder mangelnder Fürsorge war nirgendwo die Rede.

Doch klar wurde auch: Menschen, die sich in Pflege begeben, sind immer älter, deshalb ändern sich auch die Anforderungen. Die Pflegekräfte sehen dringenden Handlungsbedarf, fordern mehr Personal, weniger Verwaltungsarbeit und mehr Zeit für Nächstenliebe.

Eigentlich hatte der damalige Bundesgesundheitsminister Philip Rösler (FDP) bereits 2011 eine Neuordnung der Pflege angekündigt. Damals rechneten Experten aus, was seine Versprechungen kosten würden: Bessere Leistungen für Demenzkranke, Kuren für Pflegebedürftige und Angehörigen, höhere Renten für Pflegende – das summierte sich auf bis zu zehn Milliarden Euro.

Die jetzt im Parlament vorliegende Pflegereform kostet dagegen nur etwas mehr als eine Milliarde Euro. Der große Wurf wurde abgesagt. Im Einzelnen ist etwa vorgesehen, dass Versicherte ohne Pflegestufe mit „erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“ erstmals Anspruch auf ein Pflegegeld von monatlich 120 Euro oder Pflegesachleistungen von bis zu 225 Euro erhalten. Außerdem sollen Pflege-Wohngemeinschaften stärker gefördert werden. Um die Mehrkosten zu finanzieren, sollen die Beiträge der Pflegeversicherung um 0,1 Prozentpunkte steigen. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) räumte ein, dass es sich nur um eine Reform mit begrenztem Haltbarkeitsdatum handele. Ziel bleibe eine neue Definition der Pflegebedürftigkeit. (kna)

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