Politik 01.10.2012, 16:56 Uhr

Wut über den Revolutions-Helden

Neun Jahre nach Georgiens Rosenrevolution muss Präsident Saakaschwili um seine Macht fürchten. Ein Folterskandal in den Gefängnissen schadet seinem Image.

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Präsident Michail Saakaschwili will sein Amt behalten. Foto: dpa

Präsident Michail Saakaschwili will sein Amt behalten. Foto: dpa

Von Ulf Mauder, dpa

Tiflis. Vor den Wahllokalen der georgischen Hauptstadt Tiflis lassen erboste Wähler ihrer Wut freien Lauf. „Die Regierung hat Blut an den Händen. Heute wird abgerechnet“, sagt der 53-jährige Gotscha. Er verdient wegen der horrenden Arbeitslosigkeit wie viele hier Geld mit Taxifahrten. Er will, dass „Mischa“ - Präsident Michail Saakaschwili (44) - geht und der Milliardär Bidsina Iwanischwili (56) mit seiner Bewegung Georgischer Traum das Zepter der Macht übernimmt. „Das wollen alle im Land“, behauptet er.

An dem sonnigen Herbsttag herrscht reger Andrang. Der Machtkampf in der Geschichte dieser bitterarmen Südkaukasusrepublik ist in der heißen Phase. Berichte über Folter und Vergewaltigung von Häftlingen in den Gefängnissen des Landes haben die Menschen in den vergangenen Tagen zusätzlich aufgebracht. Die beiden Protagonisten dieser bedeutendsten Wahl seit der Rosenrevolution 2003 zogen mit der Devise in den Wahlkampf, dieses Mal gehe es um das Schicksal Georgiens. Offiziell stimmen die Menschen der Ex-Sowjetrepublik am Schwarzen Meer über 150 Sitze im neuen Parlament ab. Tatsächlich aber geht es nur um eins: Milliardär oder Präsident. Traditionell ist in dieser Region Politik stark auf Leitfiguren zugeschnitten. Saakaschwili ist aus Sicht vieler der gefallene Held der Revolution von damals. Der politisch kaum erfahrene Milliardär Iwanischwili hingegen ist der Hoffnungsträger für mehr Wohlstand. Die Straßen sind voll von Menschen, die sagen: „Bidsina ist ein kluger Mann. Wer es in Russland als Georgier zu so großem Reichtum geschafft hat, muss sich durchsetzen können.“ Es klingt wie eine Volksweisheit. In den Straßen wimmelt es von Bettlern, die sich nach einem Heilsbringer sehnen. „Heute werden wir das erste Mal in der Geschichte eine Regierung durch Wahlen ersetzen“, meint Iwanischwili zuversichtlich.

Saakaschwili hat selbst Geld von Iwanischwili erhalten

Saakaschwili hingegen warnt die Georgier, der Oligarch sei vom Kreml in Moskau gesteuert, ein Mafioso, der das Land in die düsteren Zeiten eines durch und durch kriminellen und korrupten Georgien zurücktreibe. Dass er selbst über Jahre vom Geld des Oligarchen politisch profitierte, weil Iwanischwili Kirchen sanierte, Schulen und die Polizei ausstattete, lässt Saakaschwili unerwähnt. Die Quelle ist versiegt, seit der Oligarch ihm vor einem Jahr den Kampf ansagte.

 

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