Rundschau Neumarkt 01.02.2012, 16:05 Uhr

Wie fühlt sich das Alter an?

Binnen weniger Minuten um Jahrzehnte altern – ein Simulator macht’s möglich.

Von Stephanie Ulherr

Rummelsberg. Jede Stufe wird zum schier unüberwindlichen Hindernis. Meine Beine sind bleischwer. Sie wollen mir nicht gehorchen, schlackern unkoordiniert durch die Gegend. Beim Bewerber-Infotag der Fachschule für Pflege in Rummelsberg teste ich einen Alterssimulator. Am Oberkörper trage ich eine mit Sand gefüllte Weste, an den Hand- und Fußgelenken Gewichte und an den Knien und Ellbogen versteifende Bänder. Hinzu kommt, dass ich auf einmal viel schlechter sehe, weil durch die Spezialbrille alles verschwimmt. „Geht’s einigermaßen?“, fragt mich Robert Loy, der eine Ausbildung zum Altenpfleger macht. Ich muss mich anstrengen, um ihn zu verstehen. Der Gehörschutz dämpft sämtliche Geräusche. So fühlt es sich also an, wenn man 80 Jahre alt ist.

Geduld ist gefragt

„In einem gewissen Alter ist man nicht mehr so beweglich“, erklärt Robert. „Viele Menschen sehen und hören schlechter.“ 15 Kilo mehr als sonst wiegt man mit dem Alterssimulator. Robert bietet mir immer wieder seinen Arm an. Und dafür bin ich ihm wirklich dankbar. Denn ich fühle mich einigermaßen hilflos. Tatsächlich bin ich unsicher, als ich einen Hindernisparcours durchlaufe. Auf dem Seil am Boden zu balancieren, geht mit etwas Mühe gerade noch. Aber als ich mich auf einen Gummiball stelle, verlässt mich mein Gleichgewicht. Zum Glück kann ich mich gerade noch am Handlauf festklammern. Als ich den Alterssimulator wieder ablegen kann, bin ich heilfroh. Nach etwa zwanzig Minuten fühle ich mich, als hätte ich gerade eine Stunde intensives Fitnesstraining hinter mir.

Robert hat eine Engelsgeduld mit mir bewiesen. Für den Beruf des Altenpflegers scheint er wie geschaffen zu sein. „Vor einiger Zeit hätte ich mir niemals vorstellen können, diesen Job zu machen“, gibt er zu. Jetzt füllt ihn sein Beruf aus. Zwei Jahre Lehrzeit hat er noch vor sich, bis er ausgebildeter Altenpfleger ist. Im Stephanusheim betreut er im Frühdienst acht bis elf Senioren. Pro Person hat er etwa 25 Minuten Zeit. Leider oft zu wenig, wie er findet.

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