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Mittwoch, 16. August 2017 27° 3

Spekulationen um die Papst-Nachfolge

Auch Kurienkardinal Joseph Ratzinger aus Bayern zählt zum engen Favoritenkreis

  • G. Battista Re
  • Angelo Sodano
  • Joseph Ratzinger

Von Peer Meinert, dpa

Nach katholischer Überlieferung waltet bei einer Papstwahl der Heilige Geist. Aber auch ansonsten lässt sich der Ausgang eines Konklave so gut wie nie voraussagen: Überraschungen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Wenn die derzeit 117 Kardinäle unter 80 Jahre spätestens 20 Tage nach dem Tod des sterbenskranken Papstes in der Sixtinischen Kapelle zusammenkommen werden, deutet vieles auf einen Kirchenführer aus Italien oder Lateinamerika hin. Als „Joker“ gilt der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger. Sollten sich die großen „Blöcke“ blockieren, könnte es auf den Mann aus Bayern hinauslaufen. Das wäre eine Sensation: der erste deutsche Papst seit 500 Jahren.

Viele wünschen sich nach dem langen Pontifikat Karol Wojtylas eine Art „Zwischenpapst“, einen älteren Kandidaten, der eher wenige Jahre regiert und keine grundlegenden Weichenstellungen vornimmt. „Nachdem Johannes Paul die Kirche fast 27 lang prägte, will man ein deutlich kürzeres Pontifikat“, heißt es häufig in Kirchenkreisen. Was den Namen anbetrifft, stochern die Experten aber im Nebel. „Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus“, so ein Sprichwort. Im Klartext: Auf so genannte Favoriten sollte man nicht allzu viel geben. Arithmetische Überlegungen machen die Sache nicht leichter: Rund die Hälfte der Wahlberechtigten kommt aus Europa, die andere aus Nordamerika und der Dritten Welt. Schon seit geraumer Zeit werden Stimmen nach einem künftigen Kirchenführer „aus dem Süden“ laut. Immer häufiger fällt der Blick nach Lateinamerika. Dort leben fast die Hälfte der Katholiken in der Welt, die Kirchen sind lebendig und weitgehend unberührt vom Geist des Zweifels, der in so vielen Ländern Europas umgeht.

Als „heißer Tipp“ gilt Oscar Rodríguez Maradiaga aus Honduras, in Glaubenssachen konservativ, politisch ein Kritiker des ungebremsten Kapitalismus; oder Castrillón Hoyos (Kolumbien) und Norberto Rivera Carrera (Mexiko). Als Vorteil der Südamerikaner gilt, dass sie bei einem Konklave auf die „Dritte-Welt-Kollegen“ aus Afrika und Asien bauen könnten, zudem auf Rückendeckung spanischer und portugiesischer Purpurträger. Schon sagen flinke Kommentatoren voraus, die Wahl eines Nachfolgers von Papst Johannes Paul II. werde zu einem Kräftemessen „Italien gegen den lateinamerikanisch-iberischen Block“ führen. Viele Insider, nicht nur aus Italien, meinen, dann steige wieder ein Italiener auf den Petrusstuhl. Am häufigsten werden der Bischof von Mailand, Kardinal Dionigi Tettamanzi, genannt sowie die Kardinäle Angelo Sodano und Giovanni Battista Re.

Sollte es zu einer „Blockade der Blöcke“ kommen, schlägt die Stunde der Außenseiter. So wie 1978, als die Kardinäle den Überraschungskandidaten Karol Wojtyla kürten. Beim nächsten Konklave könnte dies der Belgier Godfried Danneels oder der Prager Kardinal Miloslaw Vlk werden. Neben Ratzinger, einem der engsten Vertrauten des bisherigen Papstes, werden als zweitem Deutschen auch Kurienkardinal Walter Kasper Chancen eingeräumt.

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