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Samstag, 25. November 2017 13° 3

Wir hängen am Tropf Automobilbranche

Strukturwandel: Kunststoff macht Verluste bei Glas wett

Franz Peter Sichler

Von Gerd Otto, MZ

„Die Konsens-Gesellschaft hat sich bewährt!“ Franz Peter Sichler, der Geschäftsführer der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) für den Bezirk Kelheim-Zwiesel, ist deshalb auch in hohem Maße überzeugt, dass die Soziale Marktwirtschaft kein überholtes Modell darstellt, sondern ein Konzept mit Zukunftsperspektiven. Insbesondere gelte dies auch für den Flächentarifvertrag, der in der Chemiebranche am Standort Deutschland freilich nur deshalb seine positive Wirkung umsetzen konnte, weil die Partner sehr früh eine Neuorientierung ihrer Tarifpolitik eingeleitet hatten.

Seit zehn Jahren, so erläutert Franz Peter Sichler, hätten die Tarifvertragsparteien ihren gemeinsam erarbeiteten Instrumentenkoffer nicht nur in wirtschaftlichen Notlagen ausgepackt. Vielmehr habe die Nutzung der diversen Flexibilisierungsmöglichkeiten ganz bewusst eine vorausschauende Politik erlaubt. Betriebsbezogene Maßnahmen würden freilich erst durch tarifliche Rahmenregelungen ihre eigentliche Wirkung erzielen. Gleichzeitig hält Sichler nur wenig von pauschalen Einheitslösungen wie etwa dem Ruf nach der 40-Stunden-Woche. „Intelligente Tarifpolitik“ lautet für den IG BCE-Geschäftsführer die Herausforderung. Dass die Rasenmäher-Methode gerade angesichts der außerordentlich differenzierten Branchenstruktur, der sich seine Gewerkschaft gegenübersieht, nichts bringt, liege auf der Hand: „Wir müssen an alle denken, vom Seifensieder bis zum Chemie-Konzern!“

Wie sehr der Strukturwandel gerade die von Sichler und seinen Kollegen betreuten Betriebe betroffen hat, wird nicht nur an den mehr als 10000 Jobs deutlich, die zum Beispiel bei Porzellan und Glas in den letzten Jahren allein in der Oberpfalz verschwunden sind. Was hier verloren ging, konnte freilich durch den stetig wachsenden Kunststoff-Sektor wieder ausgeglichen werden, während sich die Chemie bei allen Veränderungen insgesamt doch als relativ stabil behaupten konnte. „Derzeit hängen unsere Firmen als Zulieferer sehr stark am Tropf der Automobilbranche,“ betont Sichler, der keineswegs die Augen davor verschließen möchte, dass Arbeitsplatzverluste in diesen Tagen ein ständiger Begleiter seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit sind.

Umso wichtiger sei die Qualifikation der Mitarbeiter, aus der sich dann auch die Qualität der Produkte ergebe. „Kinder für Naturwissenschaften, etwa auch für Chemie, zu begeistern,“ sieht Sichler deshalb tatsächlich als zukunftsweisend an und nimmt entsprechende Aktionen sehr ernst. Die Zusammenarbeit mit der Schule, die Entwicklung neuer Berufsbilder und die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen gehören sicherlich zu den wichtigsten Aufgaben, die gemeinsam mit den Arbeitgebern angepackt werden müssen. Dabei gehe es ebenso „um unser aller Wohlstand“, wie Franz Peter Sichler auch für eine rationelle Diskussion energiepolitischer Weichenstellungen plädiert.

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