Wirtschaft 26.09.2012, 06:51 Uhr

Deutschland spielt riskantes Monopoly

Wer Geld hat, legt es zurzeit am liebsten in „Betongold“ an. Auch in Regensburg ist Wohnraum knapp. Die Stadt ist bei Preissteigerungen vorne dabei.

Kaufen! Aus Angst vor Inflation investieren die Deutschen wie nie zuvor in Immobilien. Manche vergessen dabei die Risiken. Foto: dpa

Kaufen! Aus Angst vor Inflation investieren die Deutschen wie nie zuvor in Immobilien. Manche vergessen dabei die Risiken. Foto: dpa

Von Claudia Bockholt, MZ, und Daniela Wiegmann, dpa

Regensburg. „Zu verkaufen“-Schilder sieht man nur noch in amerikanischen Spielfilmen: In deutschen Großstädten sind Häuser und Eigentumswohnungen Mangelware geworden. Nachdem der Ansturm auf Immobilien nicht nachlässt, finden Käufer in München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart oder Köln kaum noch Angebote zu passablen Preisen. „Das Objektangebot in den Metropolen wird geringer“, sagt Marcus Drost vom größten deutschen Immobilienportal Immobilienscout24 in Berlin. Käufer brauchen nach drastischen Preissteigerungen nicht nur viel Geld, sondern auch immer mehr Geduld. Auch wer als Normalverdiener in Regensburg etwas Bezahlbares sucht, muss Kompromisse eingehen.

Die Finanzkrise und die daraus entstandene Angst vor Banken-Zusammenbrüchen, Inflation und Euro-Schuldenkrise haben den nie dagewesenen Immobilienboom ausgelöst. Zwar gab es auch früher schon ein Auf und Ab auf diesem Markt, das oft auch von politischen Entscheidungen wie der Eigenheimzulage ausgelöst wurde. Doch vom Boom in den späten 1990ern und 2000ern in den USA und etlichen europäischen Ländern – wo dieser zum Auslöser der Finanzkrise wurde – bekam der deutsche Immobiliensektor wenig mit. So staunen selbst Experten: „Das habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt“, sagt der Leiter der Marktforschung des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) Süd, Stephan Kippes.

Selbst in Berlin, das früher als vergleichsweise günstiges Pflaster galt, werden in Bestlagen bis zu 15 000 pro Quadratmeter gezahlt – dreimal so viel wie früher. In München sind 500.000 Euro für eine neue 100-Quadratmeterwohnung in der Stadt fast schon ein Schnäppchen. In der Regensburger Altstadt muss man dafür inzwischen bis zu 410.000 Euro berappen. Ein drastischer Preisverfall ist aus Kippes Sicht nicht zu befürchten, zumal wenig neu gebaut wird. „Ich habe keine Sorgen vor einem Crash.“

Regensburg wächst weiter

Angeheizt wird der Kaufrausch durch historisch niedrige Baugeldzinsen von teils unter drei Prozent. Der größte deutsche Makler Engel&Völkers hat aktuell rund 500.000 Kaufinteressenten in seiner Kartei und kann in den Metropolen nicht auf Anhieb alle Wünsche erfüllen. „Der Verkauf ist vergleichsweise leicht“, sagt Vorstand Kai Enders. Bei Immobilienscout24 ist die Zahl der Kaufgesuche seit dem Beginn der Finanzkrise um 500 Prozent gestiegen. Auf ein neues Immobilienangebot gehen manchmal binnen 30 Minuten über 50 E-Mails und Anrufe von Interessenten beim Verkäufer ein.

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo