Wirtschaft 07.10.2012, 18:43 Uhr

Sitze aus der Oberpfalz im IC

Die Bahn rüstet ihre Reisezugwagen mit Gestühl von Grammer aus – ein Riesenauftrag über 46.000 Stück. Die Flotte wird umfassend modernisiert.

Sitzetest in der 2. Klasse: der Fernverkehrs-Vorstand bei der Deutschen Bahn, Berthold Huber Foto: Röhrl

Sitzetest in der 2. Klasse: der Fernverkehrs-Vorstand bei der Deutschen Bahn, Berthold Huber Foto: Röhrl

Von Lothar Röhrl, MZ

Hamburg/. 46.000 Mal ist ein Oberpfälzer Qualitätsprodukt vertreten, wenn die Deutsche Bahn bis Ende 2014 gut 770 Reisezugwagen ihrer Intercity-Flotte modernisiert. Weil in den bis zu 40 Jahre alten Waggons so ziemlich alles erneuert wird, was dem Reisenden im Wageninneren ins Auge fällt, gibt es eben auch neue Sitze. Eben 46.000. Alle liefert die Amberger Firma Grammer. Dieser Tage ist in Hamburg die erste, aus sieben modernisierten Wagen bestehende Garnitur unter anderem eben auch mit den neuen Sitzen vorgestellt worden.

In der 2.Klasse werden mit Velours bezogene Sitze verwendet, in der ersten Klasse sitzen die Reisenden auf Leder. Grammer, das auch schon beim Aufpolieren der ICE-1-Flotte zum Zug gekommen war, beim Redesign des ICE 2 aber dem spanischen Konkurrenten Faensa den Vortritt lassen musste, hatte extra einen neuen Sitz entwickelt. Auffallendster Unterschied zum alten Sitz in der ersten Klasse ist die Kopfstütze. Ideal für alle, die gerne mal bei einer Zugreise ein Nickerchen machen. Wer die Stunden in einem Intercity (Abkürzung im Fahrplan: IC) zum Arbeiten nutzen möchte, wird in den neuen viel mehr Steckdosen als in den alten Wagen vorfinden. In der Mitte einer Zweier-Sitz-Reihe ist eine Dose angebracht.

Die knapp 26 Millionen Euro, die der Auftrag an Grammer umfasst, sind gut ein Zehntel der Gesamtinvestition, die die Deutsche Bahn in die Erneuerung ihrer IC-Flotte steckt. Aktuell sind schon 52 Wagen in den Werken Nürnberg und Neumünster umgerüstet. Bis Ende 2012 kommen weitere 100 hinzu. Dann wird damit die Linie Hamburg-Köln-Frankfurt bestückt. Das ist nicht nur zufällig, sondern gewollt die Linie, auf der die Bahn seit kurzem im privaten Betreiber „HKx“ einen Konkurrenten bekommen hat. „Wir wollen jedermann zeigen, dass die DB es besser kann“, sagte dazu bei dem Medienereignis der Vorstellung der ersten neuen Garnitur der Fernverkehrs-Vorstand bei der Deutschen Bahn, Berthold Huber. Mit Huber hat die DB einen wettbewerbsgewohnten Vorstand, denn Huber war in Bayern lange Zeit Chef von DB Region. Dabei hatte er Erfahrung im Rennen mit privaten Konkurrenten wie Alex und Vogtlandbahn um ausgeschriebene Strecken gesammelt.

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