Wirtschaft 16.10.2011, 19:21 Uhr

Der Chefstratege als Kummerkasten

Dr. Ulrich Stephan, oberster Anlageberater der Deutschen Bank, stellte sich den Fragen von Anlegern der Region.


        Viele Fragen zur Euro-Krise stellten Anleger an Ulrich Stephan (r.). Foto: rh

Viele Fragen zur Euro-Krise stellten Anleger an Ulrich Stephan (r.). Foto: rh

Von Roman Hiendlmaier, mz

Regensburg. Es sollte ein Anlegerforum werden, für betuchte Kunden der Deutschen Bank, denen Dr. Ulrich Stephan die Lage an den Finanzmärkten erklären sollte.

Der Chefanlageberater für Privat- und Geschäftskunden bei der Deutschen Bank hatte vor rund 30 Zuhörern im Sorat-Hotel jedoch in erster Linie eine europapolitische Debatte zu führen. Denn die Fragen an den promovierten Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler lauteten nicht, ob Aktie A besser als Aktie B sei, oder wie weit Gold im Wert noch steigen wird – viel mehr war eine tiefe Besorgnis in den Gesichtern des Top-Klientels zu lesen.

Werden wir von den Schuldenbergen erdrückt? Fliegt uns der Euro um die Ohren? Ist das Ersparte noch sicher? Existenzielle Fragen drängten den 46-Jährigen aus seinem Konzept der Zahlen und Statistiken.

Eine Situation, die für den Veranstalter übrigens nicht ungewöhnlich war: „Das erleben wir in den Beratungsgesprächen täglich,“ so Thomas Kunze, Leiter der Investmentsparte der Deutsche-Bank-Dependance Regensburg.

Kunzes Pendant in Frankfurt teilte auch grundsätzlich die Besorgnis seiner ostbayerischen Zuhörer, fühlte sich durch die hartnäckige Fragen jedoch bemüßigt, die Debatte zu verkürzen: Ja, die Krise des Euro sei besorgniserregend, ebenso das hohe Engagament der Bundesrepublik in den Krisenstaaten. Aber auch ein klares Nein zu Rezession und Staatsbankrott der Bundesrepublik, selbst für den Fall einer völligen Zahlungsunfähigkeit Griechenlands. „Man muss die Dimensionen vergleichen,“ so Stephan. „Gemessen an den jährlichen Transfers in die neuen Bundesländer könnte Deutschland die griechischen Schulden binnen drei Jahren tilgen.“ Und selbst wenn Griechenland aus dem Euro fliegen würde – die Kredite und Bürgschaften würden nicht dann wertlos, sondern in einem noch zu ermittelnden Maß im Wert beschnitten. Voraussichtlich schon bei G-20-Gipfel im November werden die Euro-Retter einen großen Schritt weiter sein, beruhigte Ulrich Stephan.

 

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