Wissenschaft-Nachrichten 29.07.2012, 20:23 Uhr

Dank Technik sicher aus dem Tunnel

Wie sich Menschen bei Bränden schneller und sicherer retten können, wird an der Uni Würzburg erforscht – in einem modernen 3D-Multisensoriklabor.

Wie verhalten sich Menschen in Gefahrensituationen wie einem Brand im Autotunnel? Das wollen Forscher der Universität Würzburg in einem neuen 3D-Multisensoriklabor herausfinden. Die dreidimensionalen Bilder, die in dem nur etwa zwölf Quadratmeter großen Raum aus Plexiglasplatten eingespielt werden, wirken sehr echt, findet die Studentin Elisa Montini, die den Selbstversuch wagt. Foto: Christiane Gläser/dpa

Wie verhalten sich Menschen in Gefahrensituationen wie einem Brand im Autotunnel? Das wollen Forscher der Universität Würzburg in einem neuen 3D-Multisensoriklabor herausfinden. Die dreidimensionalen Bilder, die in dem nur etwa zwölf Quadratmeter großen Raum aus Plexiglasplatten eingespielt werden, wirken sehr echt, findet die Studentin Elisa Montini, die den Selbstversuch wagt. Foto: Christiane Gläser/dpa

Von Christiane Gläser, dpa

Würzburg. Helle Flammen schlagen aus dem Lastwagen, der mitten im Tunnel steht. Aus dem Lautsprecher tönt eine weibliche Stimme: „Bitte gehen Sie zu den Notausgängen.“ In der grauen Röhre blinken die Warnlichtanlagen mehrerer Autos, Rauch zieht an der Decke entlang. Und inmitten des Feuerinfernos im Tunnel steht Elisa Montini. Doch in Gefahr ist die Studentin trotz des Chaos um sie herum nicht. Die 22-Jährige steht im neuen 3D-Multisensoriklabor der Universität Würzburg.

„Im Auto fühlen sich viele sicher“

Es ist ein bundesweit einmaliges Labor für die Sicherheitsforschung in Tunneln. Damit soll ergründet werden, wie sich Menschen in einer Gefahrensituation verhalten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Projekt mit 900000 Euro gefördert. Ziel ist, die Erkenntnisse sowohl in bauliche Veränderungen als auch in Schulungen von Auto- und Lastwagenfahrern einfließen zu lassen. „Man weiß noch relativ wenig über die Faktoren, die das menschliche Verhalten in Gefahrensituationen wie diesen beeinflussen“, sagt Andreas Mühlberger vom Lehrstuhl für Psychologie. Er leitet das Projekt gemeinsam mit Lehrstuhlinhaber Paul Pauli.

„Bekannt ist jedoch bereits, dass viele Menschen bei einem Brand einfach in ihrem Auto sitzen bleiben, weil sie sich dort sicher fühlen. Und sie laufen eher zu den Eingängen der Tunnel, statt die Notausgänge zu benutzen“, sagt Mühlberger. Zudem spiele auch das Rudelverhalten eine Rolle. Daher soll auch die ideale Form, Farbe und Größe von Notausgängen, Schildern und Gehwegen erforscht werden. In dem zwölf Quadratmeter großen Raum aus hochsensiblen Plexiglaswänden können diese und viele weitere Faktoren nach Belieben verändert werden.

„Solche Experimente wären ohne die virtuelle Welt im Labor nicht so einfach möglich“, sagt Pauli. Bislang haben die Ingenieure ihr Wissen für den Straßenbau und die Tunnelplanung vor allem aus bereits passierten Unfällen erlangt. Mit dem High-Tech-Labor in Würzburg können Lösungen gefunden werden, ohne dass jemand zu Schaden kommt.

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