Wissenschaft-Nachrichten 09.03.2013, 19:06 Uhr

Ein Schädelchirurg aus der Steinzeit

Im Roman „Gerrit – Schädelchirurg der Steinzeit“ schreibt Peter Gruß über einen Heiler. Der Regensburger Autor war selbst als Neurochirurg tätig.

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Der Schädel einer etwa 30 Jahre alten Frau aus der Jungsteinzeit, die einen Eingriff am Kopf überlebt hat, inspirierte den Regensburger Neurochirurgen Dr. Peter Gruß zu seinem Roman. Der Schädel war 2007 bei einer Sonderausstellung zur Trepanation in Kelheim zu sehen. Foto: Rolf Haid/dpa

Der Schädel einer etwa 30 Jahre alten Frau aus der Jungsteinzeit, die einen Eingriff am Kopf überlebt hat, inspirierte den Regensburger Neurochirurgen Dr. Peter Gruß zu seinem Roman. Der Schädel war 2007 bei einer Sonderausstellung zur Trepanation in Kelheim zu sehen. Foto: Rolf Haid/dpa

Von Louisa Knobloch, MZ

Regensburg. Unsere Region im dritten Jahrtausend vor Christus: Der junge Gerrit wird zur Arbeit in ein Feuersteinbergwerk geschickt. Er verliebt sich dort in ein Mädchen, Eika. Eines Tages hat sie einen Unfall und verletzt sich am Kopf. Die Wunde wird zwar notdürftig versorgt, doch wenige Tage später stirbt das Mädchen. Gerrit fasst daraufhin einen Entschluss: „Ich will den großen Mutterfluss hinaufziehen. Es gibt dort Heiler und Schamanen, ich möchte sehen und lernen, wie sie die Wunden versorgen, Krankheiten und auch Schädelverletzungen behandeln.“

In seinem Roman „Gerrit – Schädelchirurg der Steinzeit“ beschreibt der Regensburger Autor Prof. Dr. Peter Gruß den Lebensweg des Heilers. Mit der Thematik kennt er sich aus – lange Jahre war Gruß als Neurochirurg in Würzburg und am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg tätig. Auf die Idee zu seinem ersten Roman brachte ihn die Ausstellung „Löcher im Kopf – Ein Streifzug durch die Geschichte der Trepanation“, die 2007 im Archäologischen Museum in Kelheim zu sehen war.

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Mit dem Begriff Trepanation wird in der Neurochirurgie die operative Öffnung des Schädels bezeichnet. In Kelheim war unter anderem der Schädel einer Frau aus der Schnurkeramischen Kultur (2800 bis 2200 vor Christus) ausgestellt, die den Eingriff am Kopf um Monate oder sogar Jahre überlebt hat, wie Heilungsspuren zeigen. „Ich fand das interessant, zumal die meisten Trepanationen an Schädeln von Männern gefunden wurden“, erzählt Gruß. Unter dem Namen Ula machte er die Frau zu einer der Hauptpersonen in seinem Roman.

Gefunden wurde das Skelett der Frau 1987 bei Stetten an der Donau. Prof. Dr. Joachim Wahl vom Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg hat den Fund damals mit zwei Kollegen beschrieben. Demnach war Frau im Alter von etwa 30 Jahren gestorben. Bestattet wurde sie zusammen mit einem Neugeborenen, vermutlich ihrem Kind. Aus dem außergewöhnlich gut erhaltenen Skelett konnte der Anthropologe viele Informationen über die Frau ableiten: Sie war etwa 1,57 Meter groß und litt in der Kindheit an einer Rachitis. Degenerative Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule deuten auf körperliche Belastungen im Jugendalter hin.

 

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