Wissenschaft-Nachrichten 09.09.2012, 19:58 Uhr

Oft unerkannt – aber sehr gefährlich

Das Cytomegalievirus kann Ungeborene schwer schädigen. Am Uniklinikum Regensburg sind Forscher den Geheimnissen des Erregers auf der Spur.

Die mikroskopische Aufnahme zeigt eine vielkernige „Riesenzelle“, die dem Cytomegalievirus seinen Namen gegeben hat (griechisch: „cyto“ – Zelle, „megalo“ – riesig). Zellen sind grün eingefärbt, Zellkerne blau und zwei verschiedene virale Proteine magenta und rot. Foto: Dr. Jörg Schröer

Die mikroskopische Aufnahme zeigt eine vielkernige „Riesenzelle“, die dem Cytomegalievirus seinen Namen gegeben hat (griechisch: „cyto“ – Zelle, „megalo“ – riesig). Zellen sind grün eingefärbt, Zellkerne blau und zwei verschiedene virale Proteine magenta und rot. Foto: Dr. Jörg Schröer

Von Louisa Knobloch, MZ

Regensburg. Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Bei der Erstinfektion mit dem Cytomegalievirus (CMV) treten in den allermeisten Fällen keine oder nur unspezifische Symptome auf – etwa Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen wie bei einer Erkältungskrankheit. Menschen, deren Immunsystem normal arbeitet, bemerken die Infektion daher oft ihr Leben lang nicht. Dennoch ist das Virus gefährlich – vor allem für Embryos und Menschen, deren Immunsystem durch eine Krankheit oder nach einer Transplantation geschwächt ist. Und das CMV persistiert – es bleibt also lebenslang im menschlichen Körper.

Das Cytomegalievirus gehört zur Familie der Herpesviren, der Erreger unterscheidet sich aber von den Herpes-simplex-Viren, die die bekannten Lippenbläschen hervorrufen. CMV ist in Deutschland weit verbreitet, fast jeder Zweite ist mit dem Virus infiziert. In Entwicklungsländern liegt der Verbreitungsgrad teils bei über 90 Prozent. Übertragen wird CMV durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten aller Art, beispielsweise Speichel, Urin oder Blut. Eine Tröpfcheninfektion, also eine Übertragung beim Niesen oder Husten, ist dagegen nicht möglich, erklärt die Virologin Dr. Christina Paulus vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Regensburg.

Hörschäden beim Kind als Folge

Paulus und ihre Mitarbeiter untersuchen die molekularen Ursachen von Erkrankungen, die durch das Cytomegalievirus verursacht werden. Dafür stellt ihnen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in den nächsten drei Jahren mehr als 425.000 Euro zur Verfügung. Die Virologin hofft, dass die Ergebnisse ihrer Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Präventions- und Therapiemöglichkeiten führen. Bislang gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen CMV und für die Behandlung stehen nur wenige Chemotherapeutika zur Verfügung, die starke Nebenwirkungen haben und zur Vermehrung resistenter Virusstämme führen können, da alle dieselbe Zielstruktur angreifen.

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