Wissenschaft-Nachrichten 19.03.2012, 11:05 Uhr

Viele Arten auf kleinem Raum

Wiesen machen Regenwäldern in puncto Artenreichtum Konkurrenz.


        Wiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Welt. Foto: dpa

Wiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Welt. Foto: dpa

Edinburgh. Regelmäßig gemähte Wiesen können auf kleiner Fläche artenreicher sein als der tropische Regenwald. Im Quadratmeter-Maßstab beherbergten solche Graslandschaften mehr Pflanzenarten als alle anderen Biotope, berichtet ein internationales Forscherteam mit deutscher Beteiligung im Fachmagazin „Journal of Vegetation Science“. Auf Flächen von mehr als 50 Quadratmetern erreichten die tropischen Regenwälder in Costa Rica, Kolumbien und Ecuador den höchsten Pflanzenartenreichtum, sagt Erstautor Bastow Wilson von der University of Otago im neuseeländischen Dunedin. „Aber als wir uns das auf einer kleineren Messskala anschauten, fanden wir, dass abgegraste oder gemähte Wiesen die artenreichsten Orte auf der Erde sind.“

Solche vom Menschen bearbeitete, aber trotzdem sehr artenreiche Graslandschaften gebe es vor allem in Osteuropa, heißt es in der Studie: von der deutschen Grenze bis nach Rumänien, aber auch in Argentinien. Dort lebten zwischen drei Pflanzenarten pro Quadratmillimeter und 131 Arten auf 49 Quadratmetern. Die unberührten Regenwälder in Ecuador wiederum beherbergten 942 Arten, allerdings auf 10000 Quadratmeter.

„Eine simple Aussage der Art ,dies ist der artenreichste Lebensraum‘ ist nicht möglich“, betont Co-Autor Jürgen Dengler von der Universität Hamburg, „denn das Ergebnis hängt immer von der betrachteten Flächengröße ab.“ Artenreichtum wird in der Wissenschaft in unterschiedlichen Maßstäben angegeben, von einem Quadratmillimeter Fläche bis zu einem Hektar. Solche Zahlen ließen sich nicht einfach auf eine gemeinsame Einheit umrechnen.

Es mag erstaunen, dass gerade solche Gegenden zu den artenreichsten gehören, die ständig gemäht, abgeweidet oder sogar abgebrannt werden. Die Studie gibt zwei mögliche Erklärungen: Durch die ständige Bearbeitung und damit Umwälzung des Biosystems komme die Regel, dass sich der Stärkere durchsetze, nicht zum Zug: „Auch konkurrenzschwächere Arten können so im System verbleiben“, sagt Dengler. Möglich sei aber auch, dass allein der Zeitfaktor eine Rolle spiele: Einige Flächen existierten bereits seit Ewigkeiten, schreiben die Forscher. Solche Gegenden hätten in der langen Zeit einen sehr großen Artenpool ansammeln können. Diese Hypothesen müssten aber erst überprüft werden.

Um die artenreichsten Gegenden der Erde zu finden, analysierten die Wissenschaftler über zehn Jahre die Fachliteratur und unveröffentlichte Quellen. Alle Regionen der Welt seien erfasst worden, heißt es. (dapd)

 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo