mz_logo

Panorama
Donnerstag, 14. Dezember 2017 7

Gesundheit

Adventszeit ist Zuckerzeit

Am meisten Umsatz macht die Süßwarenindustrie im November und Dezember – zu Lasten der Gesundheit der Verbraucher.
Von Lisa Forster, dpa

Adventszeit ist Zuckerzeit. Für die wenigsten Leute ist die Vorweihnachtszeit ohne Lebkuchen, Plätzchen oder Glühwein vorstellbar. Foto: dpa

München.Für die wenigsten Leute ist die Vorweihnachtszeit ohne Lebkuchen, Plätzchen oder Glühwein vorstellbar. Im November und Dezember konsumieren die Deutschen mehr Süßes als im restlichen Jahr – und nehmen häufig zu. Die beiden letzten Monate des Jahres sind traditionell die umsatzstärksten für Süßigkeiten, weiß das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK zu berichten. 2016 entfielen demnach 23 Prozent des jährlichen Süßwaren-Umsatzes auf diese beiden Monate.

Kein Wunder, dass auch für die Zuckerindustrie der November der umsatzstärkste Monat ist, wie Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. 2016 lag der Umsatz von Zucker verarbeiteten Betrieben mit 276 Millionen Euro um 27 Prozent und damit deutlich über dem monatlichen Durchschnitt von 217 Millionen Euro. 2015 waren es 29 Prozent mehr als im restlichen Jahr. „Der Süßigkeits- und damit Zuckerkonsum ist in der Vor- und Weihnachtszeit besonders hoch“, sagt Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der TU München, sagt: „Viele Menschen legen in diesen Wochen signifikant an Gewicht zu.“

„Viele Menschen legen in diesen Wochen signifikant an Gewicht zu.“

Hans Hauner

Schon im Jahresdurchschnitt halten Ärzte und Gesundheitsverbände den Zuckerkonsum für zu hoch. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, die Zufuhr zugesetzten Zuckers auf fünf Prozent der Tagesenergiezufuhr zu begrenzen. Das entspräche etwa 25 Gramm. Doch die Deutschen konsumieren im Schnitt mehr als doppelt so viel zugesetzte Zuckerarten: Nach Informationen des Max Rubner-Instituts für Ernährung und Lebensmittel kommen Männer in Deutschland auf etwa 78 Gramm pro Tag, Frauen auf 61 Gramm.

„Zucker ist billiger Füllstoff“

In Süßwaren stecken nicht nur herkömmlicher Haushaltszucker, sondern auch andere Zuckersorten. Deren Verbrauch steigt seit Jahrzehnten. Zusammengerechnet hat sich der Pro-Kopf-Konsum von Haushaltszucker (Saccharose), Glukose (Traubenzucker) und Isoglukose (Gemisch aus Fruchtzucker und Traubenzucker) zwischen 1970 (37,1 Kilogramm) und 2010 (45,9 Kilogramm) um rund 24 Prozent erhöht, wie Daten des Bundesministeriums für Ernährung zeigen.

„Zucker ist ein billiger Füllstoff, der viele Lebensmittel fülliger und wohlschmeckender macht“, erklärt Hauner. Lebensmittel wie Weihnachtsgebäck gewönnen erst durch Zucker an Attraktivität: „Denken Sie nur an Süßwaren, bei denen es sich um eine Kombination aus meist aromatragenden Fettkomponenten und Zucker handelt.“

Zuviel Zucker macht krank

  • Die negativen

    Auswirkungen von zu viel Zucker auf die Gesundheit sind bekannt. „Die aktuelle Datenlage spricht sehr dafür, dass ein hoher Zuckerkonsum vor allem Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Karies fördert“, sagt Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der TU München.

  • Das Max Rubner-Institut

    für Ernährung beklagt: „Trotzdem verfügt Deutschland bisher über keine nationale Strategie zur Zuckerreduktion“. (dpa)

Zuckersteuer gefordert

Unter anderem die WHO und die Verbraucherorganisation Foodwatch sowie der Kinder- und Jugendärzteverband fordern seit langem eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. In Frankreich gilt seit 2012 eine Zusatzsteuer von sieben Cent pro Liter, Großbritannien führt 2018 eine Zuckersteuer ein.

Für die Bundesregierung ist das aber keine Option: „Die Politik hat die Aufgabe, die Bürger zu schützen, aber nicht, sie zu bevormunden“, sagt eine Sprecherin des Ernährungsministeriums. „Wir wollen die Menschen motivieren und vor allem überzeugen, sich ausgewogen zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen.“ Doch nach der Weihnachtszeit dürfte das noch schwieriger sein als ohnehin schon. „Es gibt einen Gewöhnungseffekt, der es schwer macht, den Konsum einzuschränken oder aufzugeben“, sagt Hauner. „Eine solche Gewohnheit aufzugeben, dauert dann!“

Weitere Nachrichten aus aller Welt lesen Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht