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Panorama
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Luftverkehr

Behörden machen Jagd auf Drohnen

Immer mehr unbemannte Flugobjekte steigen über Ostbayern auf. Das bringt neue Gefahren mit sich. Die Behörden haben genug.
Von Philipp Seitz, MZ

Drohnen kommen Flugzeuge immer öfters gefährlich nahe. Foto: dpa

Regensburg.Die Rotoren surren immer lauter, Sand wirbelt durch die Luft. Innerhalb weniger Sekunden schraubt sich der Hexacopter 30 Meter in die Höhe. Mathias Dirnberger hält die Fernbedienung in den Händen und starrt auf einen kleinen Bildschirm, den er sich mit zwei Gurten um seinen Oberkörper geschnurrt hat. Eine Wärmebildkamera liefert dem gelernten Landwirt farbige Bilder. Wenn sich Bereiche des Bildschirms rot färben, hat der 31-Jährige sein Ziel erreicht. Dann versteckt sich im Feld ein Rehkitz.

Mit seiner Drohne erkennt Dirnberger die Tiere sofort – und rettet sie vor den Mähmaschinen, denen die Rehkitze sonst zum Opfer fallen würden. Landwirte aus der gesamten Oberpfalz buchen Dirnberger und seine selbst gebaute Drohne. Er ist einer der vielen Drohnen-Fans in Ostbayern. Immer mehr Flugobjekte steigen in den Himmel auf. Vor wenigen Jahren waren die Flugobjekte dem Militär vorbehalten, heute verkaufen sie Elektromärkte für den zivilen Gebrauch schon für unter hundert Euro.

Regeln werden fahrlässig ignoriert

Einige Drohnen für unter 600 Euro schrauben sich laut Herstellerangaben in nicht einmal 30 Sekunden mehr als 100 Meter in die Höhe. Täglich kommen neue Modelle mit höheren Reichweiten zu niedrigeren Preisen dazu. Ärger ist vorprogrammiert. Immer wieder fallen Billigdrohnen in die falschen Hände. Es gibt zwar Gesetze, die das Fliegen mit Drohnen regeln, doch bekannt sind sie den wenigsten. Theoretisch könnten Drohnen bis in den kontrollierten Luftraum aufsteigen. Dieser beginnt 762 Meter über den Grund. Doch die Geräte dürfen vom Steuerer nur in Sichtweite betrieben werden. Ausnahmen erteilen die Behörden, in Ostbayern das Luftamt Nordbayern. Dennoch kommt es zu Anzeigen, weil Vorgaben missachtet wurden.

Eine Drohne rettet Rehkitze. Video: Seitz

Experten sprechen von einer Wildwest-Stimmung am Himmel. Die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat jetzt genug. Mitarbeiter schauen sich Aufnahmen, die Drohnen-Fans ins Internet gestellt haben, an und berechnen die Flughöhe. Wer sich nicht an die Auflagen gehalten hat, bekommt ein Knöllchen. Mehrere Hundert Euro können die Verstöße kosten. In Bayern haben ahnungslose Hobby-Piloten Glück. Hier gibt es laut dem bayerischen Innenministerium noch keine Stelle, die im Internet nach Verstößen fahndet.

„Die Meldungen über eklatante Verstöße häufen sich, da haben wir Handlungsbedarf gesehen.“

Silvana Reimann von der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr

Trotzdem ist der Luftraum keine rechtsfreie Zone. Jeder, der in der Oberpfalz und in Niederbayern eine über fünf Kilogramm schwere Drohne fliegen lässt, muss zuvor beim zuständigen Luftamt eine Genehmigung beantragen. Das gilt auch für alle Piloten, die ihre Drohne – unabhängig von deren Gewicht – gewerblich nutzen. Für Privatleute, die ihre Drohne „zur Sport- oder Freizeitgestaltung“ fliegen, gelten ebenfalls Regeln. Wichtig ist unter anderem, dass ein Hobbyflieger, der keine Ausnahmegenehmigung besitzt, seine Drohne stets sehen kann.

Was erlaubt ist und was nicht

  • Erlaubnispflicht:

    Für den Aufstieg eines Flugmodells mit einer Gesamtmasse unter 5 kg und ohne Verbrennungsmotor ist keine besondere Aufstiegserlaubnis erforderlich, soweit das Gerät nicht in einer Entfernung von weniger als 1,5 km von der Begrenzung von Flugplätzen betrieben wird. Erlaubnispflichtig ist dagegen der Aufstieg eines Flugmodells mit einer Gesamtmasse über 5 kg oder mit Verbrennungsmotor in einer Entfernung von weniger als 1,5 km von Wohngebieten sowie jeglicher Art in einer Entfernung von weniger als 1,5 km von der Begrenzung von Flugplätzen oder über Menschenansammlungen.

  • Gewerbliche Nutzung:

    Sofern eine Drohne zu beruflichen oder kommerziellen Zwecken aufsteigen soll, ist eine Aufstiegserlaubnis des zuständigen Luftamtes erforderlich. Das Luftamt Nordbayern nimmt als eine der bayerischen Luftfahrtbehörden für die Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken und Oberpfalz Aufgaben der Luftverkehrsverwaltung wahr. Die Aufstiegserlaubnis wird jeweils befristet erteilt und gilt für einen bestimmten Zeitraum. So muss nicht bei jedem Drohnenflug eine neuerliche Aufstiegserlaubnis beantragt werden.

  • Weitere Bestimmungen:

    Als gewerblicher Drohnenflieger gilt, wer beispielsweise Fotos oder Videos mit der Drohne aufnimmt und anschließend verkauft. Piloten, die ihre Drohnen-Videos auf Youtube hochladen und Werbung zu den Videos zulassen, handeln ebenfalls gewerblich. Durch das Einblenden von Videos erzielen sie nämlich Einnahmen. Bei rein privater Nutzung der Drohne zu „Sport- und Freizeitgestaltung“ wird keine Fluggenehmigung benötigt. Allerdings ist auch diese private Nutzung keine rechtsfreie Zone.

  • Flugverbot:

    Der Einsatz ist verboten, wenn er außerhalb der Sichtweite des Steuerers erfolgt oder die Gesamtmasse des Geräts mehr als 25 kg beträgt. Der Aufstieg von Drohnen, die in Sichtweite des Steuerers betrieben werden und deren Gesamtmasse nicht mehr als 25 kg beträgt, bedarf generell einer Erlaubnis. Die Erlaubnis wird erteilt, wenn die beabsichtigten Nutzungen nicht zu einer Gefahr für die Sicherheit des Luftverkehrs oder die öffentliche Sicherheit oder Ordnung führen können.

  • Maximale Aufstiegshöhe:

    Einheitliche Kriterien sollen in allen Bundesländern gelten. Diese Grundsätze sehen für die Erteilung von Allgemeinerlaubnissen grundsätzlich eine maximale Aufstiegshöhe von 100 Metern vor. Für Einzelerlaubnisse kann die Aufstiegshöhe im Einzelfall gegebenenfalls auch höher ausfallen.

Werden Verstöße bekannt, dann geht das Luftamt diesen nach. Regierungssprecherin Ruth Kronau-Neef sagt: „Es können dazu auch Bilder ausgewertet werden.“ Anzeigen, unter anderem durch die Polizei, habe es in Nordbayern schon gegeben. Nur 254 Personen haben die offizielle Erlaubnis, in Nordbayern ihre über fünf Kilogramm schwere oder gewerblich genutzte Drohne bis 100 Meter steigen zu lassen.

Die Einsatzmöglichkeiten für die Drohnen sind vielfältig. Der Kreisfeuerwehrverband hat eine Drohne, die bei der Suche nach vermissten Personen eingesetzt wird. Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer ist von der Technik begeistert. Fliegen dürfen die 15 000 Euro teuere Drohne nur sechs geschulte Feuerwehrleute. „Sie müssen das ständig üben, weil nicht jeder eine Drohne bedienen kann.“ So sicherheitsbewusst wie der Kreisfeuerwehrverband verhalten sich nicht alle.

Johann Ziereis vom Flugsystemhersteller Cadmic aus Regenstauf fordert eine verbindliche Drohnen-Ausbildung. Foto: Cadmic

Das Bundesministerium für Verkehr kündigte deshalb an, den Flug mit Drohnen neu regeln zu wollen. Ein konkreter Vorschlag liegt zwar noch nicht vor, doch Minister Alexander Dobrindt (CSU) brachte einen Führerschein für gewerbliche Drohnenflieger ins Gespräch. Das geht Johann Ziereis, Projektmitarbeiter beim Flugsystemhersteller Cadmic aus Regenstauf, noch nicht weit genug. Das Unternehmen bietet auch Flugausbildungen speziell für Drohnen an. Diese seien notwendig, sagt Ziereis. „Die meisten Fehler macht schließlich der Pilot.“ Ein nicht richtig befestigter Propeller könne schon zum Absturz führen. In Österreich sind deshalb mindestens sechs Propeller vorgeschrieben. Ziereis fordert eine vernünftige Ausbildung und europaweit einheitliche Regeln. Das wären schlechte Nachrichten für alle Freizeit-Flieger. Der Markt würde sich dann dezimieren, sagt Drohnen-Ausbilder Ziereis.

Kommentar

Gefahr von oben

Unbemannte Flugobjekte gehören nicht in Kinderhände. Deshalb ist es nur konsequent, dass die Bundesregierung über einen Drohnen-Pilotenschein nachdenkt....

Cockpit fordert Pflicht-Einweisung

Für Markus Wahl wäre das eine gute Nachricht. Er ist aktiver Pilot und Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Ein Drohnenführerschein ist für ihn überfällig. Er sagt: „Auch wenn sie aussehen wie Spielzeug, sind Drohnen kein Spielzeug.“ Wahl hält sie für eine große Gefahr für den Flugverkehr. In Deutschland sei es laut Wahl wohl eine Frage der Zeit, bis Drohnen Flugzeugen gefährlich nahe kommen. Er wünscht sich eine „generelle Schulung“ für alle Modelle. Den Hobbyfliegern will er den Spaß nicht verderben. „Eine Pflicht-Einweisung würde ja schon reichen.“

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