mz_logo

Panorama
Samstag, 22. Juli 2017 30° 2

Freizeit

Camping ist mehr als nur Flexibilität

Das beliebteste Urlaubsland der deutschen Camper ist die eigene Heimat. Doch dieser Trend kommt nicht überraschend.
Von Jonas Kraus

Egal ob mit dem Zelt, Wohnwagen oder einem Wohnmobil: Beim Campen spielt die soziale Komponente eine wichtige Rolle. Foto: dpa

Passau.Camping liegt voll im Trend. Ob mit dem vollausgestatteten Luxus-Wohnmobil oder auf einer dünnen Isomatte im luftigen Zelt: Deutschland ist Campingnation. Das belegen auch Statistiken.

Im vergangenen Jahr sprengten Deutschlands Campingplätze nach Angabe von camping.info, einem der größten Online-Campingplatzführer Europas, zum ersten Mal die Marke von 30 Millionen Übernachtungen, was ein Plus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Dabei beträgt der Umsatz der Campingindustrie in Deutschland über 3,2 Milliarden Euro. Was bewegt die Menschen dazu, ihre freien Tage wieder vermehrt beim Campen zu verbringen?

Dem Alltag entfliehen

„Die Leute schätzen einfach die überragende Flexibilität“, erklärt Erwin Oberascher, der Geschäftsführer von camping.info. Viele Urlauber wollen dem Stress des Alltags entfliehen und sich zusätzlich nicht dem Stress des monatelangen Vorausplanens eines Urlaubs aussetzen. Ebenfalls eine Rolle spielt, dass die sicherheitspolitische Lage in traditionellen Urlaubsländern wie der Türkei oder Ägypten derart unsicher ist, dass immer mehr Urlauber lieber kurzfristig planen oder diese Länder komplett meiden.

„Die Leute schätzen einfach die überragende Flexibilität.“

Erwin Oberascher, Geschäftsführer camping.info

Doch auch ohne diesen geopolitischen Faktor macht sich ein Trend bemerkbar, der so vor einigen Jahren noch nicht vorstellbar gewesen wäre. Das beliebteste Urlaubsland der deutschen Camper ist: Deutschland. Erst dann folgen Italien, Kroatien und Frankreich. „Die Zeiten, in denen man braun gebrannt aus dem Urlaub heimkommen musste sind mittlerweile vorbei.“ Mehr als 80 Prozent der Gäste auf deutschen Campingplätzen sind Einheimische. Dabei spielt auch der Preis eine wichtige Rolle, denn es gilt immer noch: Urlaub mit dem Zelt innerhalb Deutschland ist in der Regel deutlich günstiger als in einem Hotel im Ausland.

Doch nicht nur die Reiseziele sind vielfältiger geworden, auch die Art und Weise des Campings hat sich deutlich verändert. Die ersten deutschen Camper waren in den 1920ern unterwegs, gezwungenermaßen mit einem meist selbstgebauten Zelt in der naheliegenden Umgebung. Die erste große Campingbewegung kam dann nach dem 2. Weltkrieg auf. Die Menschen hatten nicht viel Geld, wollten aber dennoch in den Urlaub. Da bot Camping die ideale Lösung, zumal VW mit seinem neuen T1-Bus die Möglichkeit bot, ohne viel Aufwand, jedoch mit viel Gepäck zu verreisen.

Camping ist wieder in Mode

Danach jedoch sanken die Preise für Pauschalreisen mit dem Flugzeug, Camping war auf einmal nicht mehr angesagt und wurde oft als spießig und altbacken angesehen. Von diesem Image hat sich das Campen mittlerweile jedoch emanzipiert. Camping und das damit verbundene Gefühl von Freiheit und Individualität ist wieder schwer in Mode.

Sehen Sie mehr in unserer Bildergalerie: Das Festival-ABC

Campingplatz bis Dixi-Klo: Das Festival-ABC

Dadurch sind die Zulassungen für Caravans, Wohnmobile und Wohnwagen in den vergangenen Jahren rapide gestiegen, lediglich die Wirtschaftskrisen bremsten diesen Trend zwischendurch ab. Dennoch sind mittlerweile in Deutschland knapp 420.000 Reisemobile Dazu kommt der noch relativ neue Trend des „Glampings“. Diese Wortneuschöpfung, abgeleitet von „glamourous camping“, meint eine neue Form des Campings, bei der der Wert auf mehr Luxus beim Campen gelegt wird. Dazu bieten Campingplätze oft Unterkünfte an, die fest am Campingplatz stationiert sind und das Gefühl vom Urlaub in der Natur mit dem Luxus einer traditionellen Urlaubsunterkunft verbinden sollen.

Die Sauberkeit ist wichtig

Viele der über 2400 deutschen Campingplatzbetreiber springen auf diesen Trend auf und bieten neben Glamping auch Unterhaltungsprogramme wie Kinderanimation an oder locken Urlauber mit Attraktionen wie einem Wasserpark oder einem Streichelzoo. Doch bei weitem nicht jeder Campingplatz beugt sich dieser Entwicklung, erklärt Oberascher: „Vor allem älteren Campern ist Ruhe, ein schöner Rasen und genügend Platz wichtig, die brauchen kein Animationsprogramm.“ Lediglich die sanitären Einrichtungen sind überall deutlich verbessert worden: „Campingplätze ohne saubere und gut ausgestattete Sanitäranlagen sind heute ein absolutes No-Go.“

Trotz des Hypes und des beispiellosen Aufschwungs, den Campingurlaub in den letzten Jahren erfahren hat, sind es bisher lediglich sechs Prozent der deutschen Urlauber, die ihren Urlaub regelmäßig auf einem Campingplatz verbringen. Oberascher ist jedoch überzeugt davon, dass diese Zahl künftig noch steigen wird: „Die soziale Komponente beim Campen ist einfach unvergleichlich, da findet man Freunde fürs Leben, egal ob man mit dem Zelt, dem Wohnwagen oder einem Wohnmobil für 100 000 Euro unterwegs ist.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht