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Das ist aus den Trends im Netz geworden

Vom Planking bis zur Belly Button Challenge: Die MZ zeigt, welche Internettrends gehypt wurden und was mit ihnen passierte.
Von Marina Wallner, MZ

Helene Fischer absolviert die „Ice Bucket Challenge“. Foto: Screenshot YouTube

Regensburg.Wenn Internetnutzer Fotos und Videos von sich machen, während sie eine Herausforderung absolvieren, und diese dann ins Netz stellen, ist schnell klar: Eine neue Challenge ist geboren. Internethypes wie das „Planking“ oder das „Social Beer Game“ verbreiten sich innerhalb kürzester Zeit rund um den Erdball – und spornen die Menschen an, immer neue zu erfinden. Was aber wird dann aus den alten Trends? Die MZ hat nachgeforscht.

Steif wie ein Brett

2010 kamen viele junge Internetnutzer, die sonst mit lässigen Aktionen das Netz begeistern, stocksteif daher. „Planking“ hieß die Trendsportart, die auf den Social-Media-Plattformen wie Twitter und Facebook verbreitet wurde. Ziel war es, sich an ungewöhnlichen Orten gerade wie ein Brett hinzulegen und dabei ein Foto von sich zu knipsen. Anfänglich noch als „Lying Down Game“ bezeichnet, schwappte die Fotowelle schnell aus Australien nach Deutschland und die ganze Welt über.

Seit mehr als vier Jahren ist es nun leise geworden um diesen Trend. Doch ein User twitterte in diesen Tagen tatsächlich eine neue spektakuläre „Planking“-Aktion:

Einige weitere Nutzer sprangen wieder auf den „Planking“-Zug auf, doch ein richtiger Aufschwung ist wohl nicht mehr zu erwarten. Das Netz ist schließlich hungrig auf Neues.

Auch deshalb folgte 2011 auf das „Planking“ das „Owling“: Menschen sitzen dabei wie eine Eule auf Bäumen oder Parkbänken herum. Die Bilder davon machten im Netz die Runde. Auf Twitter schwelgen immer noch viele User mit alten Bildern in „Owling“-Erinnerungen. Im Dezember twitterte eine Barkeeperin sogar „Owling is back!“ und teilte ein Foto von sich in Eulenposition. Ein paar Hobbyfilmer drehten zudem einen Eulen-Horrorfilm. „The Owling“ heißt das fünfzigminütige Werk und wird von den Machern selbst als schlechtester Film 2015 bezeichnet.

Die Kopflosen stürmen das Netz

Das „Horsemaning“ ist ebenfalls ein vergangenes Fotophänomen im Internet: Zwei Personen inszenieren bei diesem Trend eine kopflose Figur und lassen davon ein Foto schießen. Im Netz werden die Fotos für die kreativen Illusionen gelobt. Laut dem Internetportal „Buzz Feed“ ist der Trend schon um die 90 Jahre alt. „Buzz Feed“ veröffentlichte ein Foto aus den 1920ern, auf dem zwei Mädchen eine kopflose Person inszenieren. Im Vergleich zu anderen Trends konnte sich das „Horsemaning“ jedoch nicht durchsetzen.

Videos lösen Fotos ab

Nach einigen Fototrends zeigte sich eine neue Enwicklung im Netz. Die User auf Facebook und Twitter wollten mehr als nur lustige Fotos von sich zeigen. Videochallenges etablierten sich als neues Massenphänomen und machten im Kettenbriefsystem die Runde.

Zum zehnjährigen Jubiläum von Facebook im Jahr 2014 wurde im Netz ordentlich einer gehoben – und zwar auf ex. Das „Social Beer Game“ war ein Jahr lang ein angesagtes Trinkspiel. Ziel war es, einen halben Liter Bier zu trinken ohne dabei abzusetzen. Jeder, der die Herausforderung absolvierte, durfte zwei weitere Kandidaten bestimmen. Die sozialen Netzwerke wurden von Millionen Videos überflutet. Der Hype um das „Social Beer Game“ endete allerdings, als Todesfälle etwa durch Alkoholvergiftungen bekannt wurden. Die Gegenbewegung „Fruchtzwergnominierung“ wollte durch das Exen von Fruchtzwergen auf die riskante Challenge aufmerksam machen. Andere spendeten das Geld für Bier an gemeinnützige Einrichtungen. Die Einnahmen durch die Gegeninitiative waren aber nur mäßig. Schüler aus der bayerischen Stadt Kaufbeuren starteten den Versuch, die Leute zum Spenden statt zum Trinken zu bewegen. Lediglich magere 1300 Euro nahmen sie ein. Das Geld ging an „Humedica“, eine Hilfsorganisation, die sich weltweit gegen Armut einsetzt.

Zeitgleich war die „Ice Bucket Challenge“ der Renner im Netz. Im Gegensatz zum „Social Beer Game“ hatte diese kuriose Aktion einen sozialen Aspekt. Viele nationale und internationale Stars wie Til Schwieger, Helene Fischer und Justin Bieber gossen sich einen Kübel mit eiskaltem Wasser über den Kopf und kündigten an, für Menschen zu spenden, die an der Muskelkrankheit ALS leiden. Die ALS Foundation soll durch die Aktion innerhalb eines Monats über 94 Millionen Dollar an Spendengeldern eingenommen haben. In Deutschland wurden 1,3 Millionen Euro gespendet, die für neues Fachpersonal und eine verbesserte Versorgung der 6000 Patienten genutzt wurden.

Schönheitsideale werden zur Challenge

Weniger sinnvoll – wenn nicht sogar gefährlich – war der Internettrend der „Belly Button Challenge“, der im Sommer 2015 in China seinen Anfang nahm und von dort aus die Welt eroberte. Sehr schlanke Frauen zeigten auf „Weibo“, dem asiatischen Instagram, wie sie mit einem Arm um ihren Rücken herumgreifen und ihren Bauchnabel berühren. Die falsche Botschaft dieser Aktion: Wer diese Challenge erfolgreich absolvieren kann, hat eine gesunde Figur. Wer das nicht schafft, ist folglich zu dick.

Ein Mediziner erklärte jedoch im Magazin „People“, dass für die Übung nicht nur eine schlanke Taille, sondern auch Beweglichkeit und Armlänge entscheidend sind. Der Experte warnte davor, dass junge Mädchen durch die „Belly Button Challenge“ anfälliger für Essstörungen werden könnten. Im Netz tut das der Begeisterung für diese Aktion allerdings keinen Abbruch: Noch immer laden täglich junge Frauen stolz Fotos von sich hoch, auf denen sie die Verrenkung zeigen.

Auch bei anderen Internet-Aktionen zeigt sich der Schönheitswahn mancher User. Die „Kylie Jenner Lip Challenge“ animierte junge Frauen, an einem Glas zu saugen, um einen Schmollmund zu bekommen. Auslöser für die Challenge war die kleine Schwester von Kim Kardashian, Kylie Jenner, die plötzlich mit prallen Lippen in der Öffentlichkeit zu sehen war. Zahlreiche Frauen ahmten die Challenge nach – in der Hoffung, davon volle Lippen zu bekommen.

Außer Schwellungen und Spott ist von diesem Internethype aber nichts geblieben, denn Kylie Jenner gestand am Ende, beim Schönheitschirurgen gewesen zu sein. Der deutsche Schönheitsguru Dr. Werner Mang äußerte Bedenken in einem Interview mit der Zeitschrift „OK!“: „Der Trend kommt aus den USA. Viele junge Leute denken, der sogenannte Kardashian-Effekt ermögliche es ihnen – auch ohne ordentlichen Beruf – Geld mit ihrem Aussehen und mit Internetkanälen zu machen. Eben wie die Kardashians.“

Und noch ein zweifelhafter Trend geht um, der aus China kommt. Seit Januar zeigen junge Frauen im Netz, ab wann man sich ihrer Meinung nach wie eine Frau fühlen darf: wenn der Stift unter dem Busen getragen werden kann. Nur wenn die Brust so groß ist, dass ein Kugelschreiber eingeklemmt werden kann, ist die Herausforderung bestanden. Zahlreiche Frauen laden diese Bilder auf soziale Netzwerke hoch. #carrypenunderbreast ist seit Januar ein Massenphänomen auf Twitter – auch dieser Trende bleibt aber nicht ohne Kritik.

Die „Daily Mail“ prognostiziert, dass dieser Trend auf der Social-Media-Müllhalde verschwinden wird – wie so manch grotesker Trend zuvor.

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