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Samstag, 22. Juli 2017 30° 2

Interview

Der Zeltplatzwart ist immer erreichbar

Bei Problemen war „Zeltplatz-Chef“ Gerd Kronawitter sofort zur Stelle. Er hat aber nicht nur positive Erlebnisse gesammelt.
Von Julia Kronawitter

  • Gerd Kronawitter war zwölf Jahre Zeltplatzwart am Jugendzeltplatz Abtsdorfer See. Foto: Kronawitter
  • Auf dem Zeltplatz gibt es viel zu erleben. Zeltplatzwart Gerd Kronawitter kann aus seiner Zeit als Zeltplatzwart viel berichten. Foto: dpa

Saaldorf-Surheim.Gerd Kronawitter (72) war zwölf Jahre lang (1996-2008) Zeltplatzwart am Jugendzeltplatz Abtsdorfer See im Berchtesgadener Land im Oberbayern. Er hat besonders die jungen Gruppen geschätzt, die sich auch bei Matsch und Regen nicht die Laune verderben haben lassen.

Herr Kronawitter, was macht eigentlich ein Zeltplatzwart?

Ein Zeltplatzwart ist für den reibungslosen Ablauf auf einem Zeltplatz zuständig. Bei dem ständigen Wechsel der verschiedenen Gruppen braucht man natürlich jemanden, der den Überblick hat und immer nach dem Rechten schaut.

Gerd Kronawitter war zwölf Jahre Zeltplatzwart am Jugendzeltplatz Abtsdorfer See. Foto: Kronawitter

Wann waren Ihre Einsatzzeiten?

Als Zeltplatzwart hatte ich einen Fulltime-Job, vor allem in der Ferienzeit von Pfingsten bis Herbst. Geregelte Arbeitszeiten gibt es nicht. Man muss immer erreichbar sein, Tag und Nacht. Manche Gruppen mit weiter Anreise kommen um 6 Uhr in der Früh an, manche fahren erst um 20 Uhr Abends. Da muss ich natürlich immer da sein und die Übergabe machen. Einmal hat sich mitten in der Nacht ein Siebenschläfer in den Schaltkasten genagt und so einen kompletten Kurzschluss auf dem ganzen Gelände ausgelöst, da musste ich natürlich auch ausrücken.

Wie sah Ihre tägliche Arbeit aus?

Bevor eine neue Gruppe angekommen ist, bin ich immer nochmal den ganzen Platz abgegangen und habe ihn auf Mängel, wie Glassplitter am Boden, morsche Äste durch Sturmschäden oder die Sauberkeit der Feuerstellen, kontrolliert. Da der Zeltplatz hauptsächlich für jugendliche Gruppen ausgelegt ist, habe ich danach die Übergabe mit den Gruppenleitern gemacht, das heißt, ich habe ihnen ein kurzes Briefing zu den Zeltplatzordnung gegeben und ihnen dann die Küche und die sanitären Anlagen gezeigt. Anschließend habe ich den Gruppen ihren Platz zugewiesen und manchmal noch Hilfestellungen beim Zeltaufbau gegeben.

Apropos Zeltplatzordnung, welche Regeln gibt es auf einem Zeltplatz?

Ganz wichtig ist die Reinigung der Küche und der Sanitäranlagen nach der Benutzung. Dies muss von den Gruppen selbst vorgenommen werden. Bei Regen wird natürlich viel Sand und Matsch hineingetragen, da muss manchmal auch zweimal täglich geputzt werden. Nachtruhe ist von 22-6 Uhr. Es gibt zwar ein Alkoholverbot, aber wenn ich einen Kasten Bier gesehen habe, habe ich auch mal ein Auge zugedrückt. Des Weiteren darf kein Holz aus den umliegenden Wäldern gesammelt werden, dafür habe ich Holz zur Verfügung gestellt. Ansonsten habe ich noch betont, dass keine Wassergräben gezogen werden dürfen, da diese nutzlos sind und nur den Platz zerstören.

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Was haben Sie denn dann bei Regen gemacht?

Nach tagelangem Regen ist der Schlamm oft knöchelhoch gestanden. Um die Zelte vor Regen zu schützen habe ich dann Drainagen gebaut. Dann habe ich auch oft teils zwei Kubikmeter Sägespäne geholt und sie auf dem Platz verteilt, damit der Schlamm aufgesaugt wurde. Die dreckigen Späne ich dann aber im Herbst immer wieder eingesammelt und entsorgt. Dann habe ich den Gruppen natürlich noch Tipps für ein Alternativprogramm bei Regen gegeben, wie zum Beispiel einen Besuch des Salzbergwerks in Berchtesgaden.

Wie viele Personen können auf dem Zeltplatz übernachten?

Ursprünglich war der Platz auf 60 bis 80 Personen ausgelegt. Ich habe ihn dann aber ausgebaut, jetzt gibt es drei verschieden große Plätze die Platz für 260 Leute!

Was machen die Zeltler eigentlich jeden Tag?

Da der Zeltplatz direkt am Abtsdorfer See liegt, gehen natürlich viele zum Baden. Ansonsten kraxeln die Jungs oft auf Bäume oder spielen Fußball, die Mädchen basteln oft mit Naturmaterialien. Am Abend backen die Gruppen meist am platzeigenen Brotbackofen eine Pizza, setzen sich dann am Lagerfeuer zusammen und singen und musizieren.

Der Zeltplatz am Abtsdorfer See war zwölf Jahre lang die zweite Heimat von Zeltwart Gerd Kronawitter:

Gibt es eine Gruppe, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja, das waren in den zwölf Jahren natürlich einige! Am besten in Erinnerung ist mir das THW, das mit fast 300 Leuten aus ganz Bayern angereist ist. Und obwohl es so stark geregnet hat, dass ich die Wege mit Paletten befestigen musste, war alles sauber. Auch an eine Feuerwehr, die knapp 14 Stunden mit ganz vielen jungen Leuten aus Henstedt-Ulzburg angereist ist, kann ich mich noch gut erinnern. Leider gab es auch eine Gruppe aus Mannheim, die mir im Gedächtnis geblieben ist, aber nur weil sie den Zeltplatz dreckig hinterlassen haben, immer das Licht und den Ventilator und sogar einmal den Gaskocher angelassen haben. Das darf natürlich nicht sein!

Haben Sie sonst noch irgendwelche unerfreuliche Erfahrungen als Zeltplatzwart gemacht?

Meistens hat alles sehr gut geklappt, aber da gibt es natürlich auch mal Ausnahmen: Einmal waren „Wildcamper“ da, die ohne Anmeldung und Bezahlung auf den Platz gekommen sind. Sie haben sogar die Absperrungen entfernt um mit ihren Autos hineinzufahren. Nachdem ich sie aufgefordert habe, den Platz zu verlassen, sind sie mir dann frech gekommen und ich habe die Polizei eingeschalten. Die „Wildcamper“ haben dann eine Anzeige erhalten und wurden des Platzes verwiesen. Kleinigkeiten wie zu laute Musik oder Dreck in der Küche konnten meist in einem kurzen Gespräch mit den Gruppenführern geklärt werden.

Was darf in einem Rucksack nie fehlen?

Immer warme Kleidung und am besten dicke Wollsocken einpacken! Es wird auch im Sommer in der Nacht noch sehr frisch. Das unterschätzen viele.

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