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Panorama
Mittwoch, 21. Februar 2018 3

Liebe

Die Königin und ihre Botschaft

Für Floristen sind Rosen zum Valentinstag das Geschäft des Jahres. Doch die Importe stammen oft aus zweifelhafter Produktion.
Von Melanie Öhlenbach

Zum Valentinstag boomt das Geschäft mit Rosen. Foto: Christian Charisius/dpa

Sie gilt als das Symbol der Liebe und Leidenschaft: Die Rose und der Valentinstag gehören einfach zusammen. Rose ist jedoch nicht gleich Rose – und auch nicht die Botschaft dahinter. Es folgen ein paar Fakten.

Muss es Rot sein?

Die Preise für rote Rosen explodieren zum Valentinstag. Dabei sind andere Blütenfarben auch eine gute Botschaft: „Rote Rosen stehen für Leidenschaft, weiße für Reinheit und Heiligkeit und gelbe für Dankbarkeit und Vergebung“, sagt Jens-Uwe Winkler vom Fachverband Deutscher Floristen in Gelsenkirchen. Wer sich der Zuneigung des Gegenübers noch nicht sicher sein kann, dem empfiehlt er rosa- oder pinkfarbene Blumen. „Rosa oder pinke Rosen stehen für die junge Liebe, also wenn man noch nicht weiß, woran man ist.“

Reicht eine Rose oder müssen es viele sein?

Wie viele Rosen an Valentinstag geschenkt werden, hat keine besondere Bedeutung, findet Winkler. „Es kommt nicht auf die Menge, sondern auf die Geste an.“ Ganz aus Rosen muss ein Strauß nicht bestehen. Die Königin der Blumen kann zum Beispiel mit Frühlingsblumen, einem Heidelbeerzweig oder klassisch mit Schleierkraut kombiniert werden.

Welche halten am längsten?

Um den Beschenkten lange Freude zu bereiten, sollte man beim Rosenkauf darauf achten, dass alle Blütenblätter, auch die am Rand, frisch aussehen und keine trockenen oder schrumpeligen Stellen haben, empfiehlt Anne Staeves vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft in Bonn. „Keinesfalls dürfen sich die Köpfe schon biegen, der Stängel unterhalb der Blüte muss fest sein. Es dürfen auch keine welken Blätter vorhanden sein.“

Wie überleben die Rosen besonders lange?

Frische Rosen behalten bis zu zwei Wochen lang ihre Farben. Foto: Christian Charisius/dpa

Idealerweise transportiert man die Blumen möglichst im Wasser oder schlägt die Stiele mit einem feuchten Tuch ein. Bevor sie in die Vase kommen, sollten die Stiele mit einem glatten, schrägen Schnitt um etwa zwei Zentimeter gekürzt und die Blätter so weit entfernt werden, dass sie nass werden. „Das Wasser sollte in etwa acht Grad kalt sein – in etwa so, wie es als kaltes Wasser aus dem Hahn kommt“, rät Staeves.

An einem kühlen, hellen Standort bleiben Schnittrosen bis zu zwei Wochen lang frisch. Um die Haltbarkeit zu verlängern, kann man das Frischhaltemittel aus dem Handel hinzufügen. „Hausmittel wie Pfennigstücke, Zucker, warmes Wasser sind nachgewiesenermaßen schädlich“, warnt Staeves. „Wer Frischhaltemittel nicht verwenden möchte, sollte das Wasser alle paar Tage wechseln und die Stiele neu anschneiden.“

Rosen im deutschen Winter – wie umweltbewusst sind die Geschenke?

Viele Rosen haben einen langen Weg hinter sich, bis sie bei uns ankommen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Schnittrosen zum Valentinstag kommen meist aus Kenia, Äthiopien, Kolumbien und Ecuador und sind mit großen Transportwegen verbunden. Das hat auch Folgen für die Umwelt. „Wenn Blumen mit dem Flugzeug transportiert werden, entstehen dadurch hohe CO2-Emissionen. Aber auch lange Lkw-und Schiffstransporte sind aus ökologischen Gesichtspunkten kritisch“, sagt Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Darüber hinaus sind vielerorts auch die Produktionsbedingungen problematisch. „Auf den afrikanischen und lateinamerikanischen Blumenfarmen herrschen teilweise skandalöse Sozialbedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter“, so Hölzel. „Menschenrechtsorganisationen berichten von unwürdigen Arbeitsbedingungen, zum Beispiel niedrigste Löhne, keine geregelten Arbeits- und Pausenzeiten, Kurzzeitarbeitsverträge und Verbot von gewerkschaftlichem Engagement.“ Die Schutzvorrichtungen beim Sprühen von Pestiziden seien veraltet und Schutzkleidung oft nicht verfügbar.

Werden die Rosen jedoch sozialgerecht und umweltfreundlich produziert, ist es für die Sachbuchautorin Silke Peters „absolut vertretbar“, Rosen aus diesen Ländern zu kaufen. Und das nicht nur im Februar, sondern das ganze Jahr über. „Die Blumenproduktion ist für die genannten Länder ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.“ Peters war Geschäftsführerin des gemeinnützigen Flower Label Program, das sich für sozial- und umweltverträgliche Bedingungen in der Schnittblumenproduktion einsetzte. Es ist heute jedoch nicht mehr aktiv.

Woran erkennt man fair und nachhaltig produzierte Blumen?

„Leider erkennt der Verbraucher beim Blumenkauf meist nicht das Herkunftsland und hat auch keine Informationen über die ökologischen und sozialen Standards, unter denen die Schnittblumen produziert wurden“, erklärt Hölzer. Wem nicht egal ist, woher Rosen stammen, muss Siegeln wie Fairtrade vertrauen.

Was sind gute Alternativen?

Wer auf Schnittrosen an Valentinstag verzichten möchte, kann Frühlingsblumen wie Tulpen, Ranunkeln, Freesien, Narzissen und Hyazinthen verschenken. Oder Rosen im Topf. „Im Zimmer halten sie aber nicht lange, weil es ihnen da zu warm und zu dunkel ist“, sagt Staeves. „Außerdem ist die Zimmerluft zu trocken.“ Werden die Topfrosen ausgepflanzt, sollten sie nicht zu lange im Zimmer gestanden haben. „Sie sind sonst zu sehr geschwächt.“ Ein idealer Standort im Garten ist ein sonniger Platz mit humoser, durchlässiger Erde, an dem zuvor keine Rosen gewachsen sind.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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