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Freitag, 28. April 2017 6

Freizeit

Eisangel-WM in Lettland

Zum Eisangeln braucht es nicht viel: Ein gefrorenes Gewässer, eine kurze Rute, einen Hocker, ein paar Köder und - nicht zu vergessen - den Eisbohrer. In Lettland treten 84 Angler zur Weltmeisterschaft an.
Von Alexander Welscher, dpa

Riga.Auf der Eisfläche des Mazais Baltezers, einem See vor den Toren der lettischen Hauptstadt Riga, herrscht reges Treiben: In Ufernähe, aber auch weit draußen stehen mehrere bunte Zelte gegen den Wind, daneben sind überall dunkle Punkte zu erkennen - Eisangler.

Zu Dutzenden verteilen sie sich bei der Weltmeisterschaft im Eisangeln in fünf vorgegebenen Zonen über den weiten, zugefrorenen See. 

Auf einem winzigen Hocker oder ihrer Angelkiste sitzend, oft auch kniend, harren am Wochenende hartgesottene Petrijünger aus 14 Ländern vor einer kaum tellergroßen Öffnung im Eis und halten ihre Angel ins Wasser. Sie alle lauern und hoffen auf den großen Fang - im See sollen sich Barsche, Plötzen und Brassen tummeln. Die meisten an Land ziehen sollten Angler aus Russland und der Ukraine.

Doch aller Anfang ist schwer: Wer Angeln will, der muss das Eis erst mit einem stattlichen Handbohrer aufbohren. Wie überdimensionale Korkenzieher schrauben sich die bunten Bohrer knirschend in das mehr als 20 Zentimeter dicke Eis, bis das eiskalte Wasser hervorgluckert. 

Die Witterungsbedingungen sind schwierig. Auf dem zugefrorenen See pfeift den Anglern der Wind nur so um die Ohren. Wiederholt kommt es zu Schneegestöbern, nur selten zeigen sich Wintersonne und blauer Himmel. „Da muss man durch. Dafür gibt es warme Kleidung“, meint der Schwede Peter Eriksson. Am Wichtigsten sei, keine kalten Füße zu bekommen.  

Und welche persönlichen Eigenschaften muss ein Eisangler mitbringen? Geduld, Ausdauer, Durchhaltevermögen und Konzentrationsfähigkeit werden von den Teilnehmern am häufigsten genannt. Ein „richtiger Mann“ müsse man eben sein, meint der russische Nationaltrainer Sergey Kazantsev. 

Bei der Weltmeisterschaft sind tatsächlich alle Eisangler Männer. Eine Frau sucht man unter den Teilnehmern vergeblich. Ebenso wenig zu finden ist eine deutsche Mannschaft. Wie bei früheren Wettkämpfen konkurrieren vor allem Länder aus Nord- und Osteuropa.   

Eisangeln ist dort ein beliebtes und weit verbreitetes Hobby im Winter. Dabei begeben sich Angler vor allem in der Tauwetterperiode immer wieder in Gefahr. So mussten lettische Einsatzkräfte im März 2013 mehr als 200 Fischer von Eisschollen retten, die auf die Ostsee trieben. Sogar das Militär eilte damals zur Hilfe. 

Als Köder dürfen bei der Weltmeisterschaft nur sogenannte Mormyschka eingesetzt werden. Das sind winzige Angelhaken, auf deren Hakenschenkel ein noch winzigeres Bleischrot angebracht wird. Angelockt werden die Fische dann durch senkrechte Auf- und Abbewegungen. Bei Anbiss schlägt es an der Angel sofort an.

Nach drei Stunden Adrenalinsport, wie es der estnische Nationalcoach Lehar Leetsaar nennt, endet an beiden Wettbewerbstagen das Spektakel auf der Eisfläche. Am Ufer wird der Fang von einer offiziellen Jury gewogen. Mit knapp 5,3 Kilogramm brachte der Russe Dmitry Eliseev an beiden Tagen zusammen die gewichtsmäßig größte Menge an Fischen auf die Waage. Die Teamwertung gewann das Team aus der Ukraine.

Eigentlich sollte das Turnier in Bulgarien ausgetragen werden. Doch klimatisch sind es harte Zeiten für die Freunde des Eisangelns. Durch den Klimawandel werde das Eis immer dünner und die Temperaturen unvorhersehbarer, erzählt Igor Chinyakov, Vizepräsident des internationalen Anglerverbands FIPsed. Die Weltmeisterschaft wurde daher vorsorglich nach Lettland verlegt. 

Dort, an der Ostgrenze von EU und Nato, wäre vielen politisches Tauwetter lieber als klimatisches. Einen Einfluss auf das Turnier habe die geopolitische Situation jedoch nicht. Der Wettbewerb sei „unpolitisch“, betont US-Teamchef Sean Warner. Vielmehr trage er zur Völkerverständigung und zum Kulturaustausch bei.

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