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Samstag, 17. Februar 2018 10

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„Friederike“ hat einiges angerichtet

Der Deutsche Wetterdienst hat nun die letzten Unwetterwarnungen auch in der Oberpfalz aufgehoben. Weiter droht Straßenglätte.

Bäume und Äste haben den Zugverkehr unter anderem bei Lamspringe lahmgelegt. Foto: Swen Pförtner/dpa

Regensburg.Bilanz nach Sturmtief „Friederike“: Mehr als 900 Mal wurde die Polizei in Bayern am Donnerstag zu Einsätzen gerufen, allein in München gab es 170 Fälle. Umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste auf den Straßen sorgten für die meisten Notrufe, wie ein Sprecher am Freitag mitteilte. Verletzte habe es nicht gegeben.

„Nichts Spektakuläres – wir sind glimpflich davongekommen.“

Sprecher der Polizei München

Die Feuerwehr im Stadtgebiet zählte rund 70 Einsätze, die Kräfte waren vor allem mit der Räumung von Straßen beschäftigt. „Nichts Spektakuläres – wir sind glimpflich davongekommen“, sagte ein Sprecher der Polizei München.

Laut Angaben des Polizeipräsidiums Oberpfalz kam es bis Freitagmorgen zu etwa 50 wetterbedingten Einsätzen. Dabei wurden lediglich bei einem Verkehrsunfall im Landkreis Neustadt an der Waldnaab Personen verletzt: Wegen einer starken Windböe kam ein Linienbus von der Fahrbahn ab und blieb im Graben auf der Seite liegen. Zum Unfallzeitpunkt war der Bus mit vier Fahrgästen besetzt, die leicht verletzt wurden. Am Linienbus entstand Totalschaden, welcher auf 120 000 Euro beziffert wird.

Hier sehen Sie die spektakulärsten Bilder des Sturms:

Sturmtief Friederike wütet über Deutschland

Die Beamten im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelfranken hatten rund 100 sturmbedingte Einsätze, die Schäden lagen nach Angaben der Polizei im mittleren fünfstelligen Bereich. In Nürnberg musste die Feuerwehr mehr als hundert Mal ausrücken. Verkehrsstörungen und Schäden seien „nicht so schlimm ausgefallen, wie zu erwarten war“, hieß es.

Lastwägen und Busse kippten um

Auch wegen umgekippter Lastwagen wurde die Polizei vereinzelt alarmiert. Im Landkreis Dachau wurde ein 56 Jahre alter Fahrer lebensbedrohlich verletzt, nachdem sein Transporter von der Fahrbahn gedrückt wurde und sich überschlug. Wegen einer starken Windböe kam im Landkreis Neustadt an der Waldnaab ein Linienbus von der Straße ab und kippte um. Die vier Fahrgäste wurden leicht verletzt.

Am frühen Donnerstagabend war in den meisten Gebieten das Schlimmste überstanden. In Niederbayern waren die Beamten wegen orkanartiger Böen allerdings noch bis 22 Uhr beschäftigt. Im Landkreis Rottal-Inn war auch am Freitagmittag noch eine Kreisstraße gesperrt, weil Bäume auf die Straße gefallen waren und geborgen werden mussten.


Fernfahrer stiefegen auf Regionalbahnen um

„Bis Morgen kann es zu Zugausfällen, Umleitungen und Verspätungen kommen.“

Sprecher der Deutschen Bahn

Auch auf den Schienen war die Lage angespannt. Nachdem die Bahn am Donnerstag die Fernverbindungen in ganz Deutschland gesperrt hatte, versuchten viele, mit Regionalbahnen ans Ziel zu kommen. „Wir hatten komplett volle Züge“, sagte ein Bahnsprecher. Am Tag darauf lief der Verkehr nur schleppend an, obwohl in Bayern alle Strecken wieder frei waren. Grund dafür seien Einschränkungen auf Strecken im Norden. „Bis Morgen kann es zu Zugausfällen, Umleitungen und Verspätungen kommen“. Auch im Regionalverkehr gab es noch Einschränkungen.

Am Münchner Flughafen lief der Betrieb auch während des Sturms weiter. Rund zwanzig Flüge seien ausgefallen und es habe ein paar Verspätungen gegeben, sagte eine Sprecherin. „Beim Starten und Landen hat es aber ganz schön gewackelt.“

In der Nacht fuhren schon wieder erste Züge

Nachdem am Donnerstag das Sturmtief „Friederike“ über weite Teile Deutschlands hinweg gezogen ist, kann der Bahnverkehr schrittweise wieder aufgenommen werden. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Nach der deutschlandweiten Einstellung des Fernverkehrs wegen des Orkans „Friederike“ hat die Deutsche Bahn den Betrieb wieder aufgenommen.

„Die ersten Fernzüge sind unterwegs“, sagte ein Bahnsprecher am frühen Freitagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. So sei um 3.25 Uhr ein ICE aus München in Richtung Frankfurt-Flughafen losgefahren. Der Sprecher betonte aber nochmals, dass es „nach wie vor zu Einschränkungen kommen wird.“

In der Nacht hatte der Deutsche Wetterdienst zahlreiche Unwetterwarnungen für Ostbayern herausgegeben. Bis 6 Uhr hatte sich die Gewitterlage aber wieder beruhigt.

Gewitterwarnungen in Oberpfalz und Niederbayern

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es in der Region fast flächendeckend Gewitterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes. In Cham und Schwandorf dauerten die Gewitter bis 4.30 Uhr. In Kelheim, Neumarkt und Regensburg Stadt und Landkreis wurden die Warnungen erst um 6 Uhr aufgehoben.

Orkan "Friederike" über Deutschland hinweggezogen

Insbesondere in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen seien noch wichtige Strecken gesperrt, teilte die Bahn auf ihrer Webseite mit. Wegen der Auswirkungen des Sturms hatte die Deutsche Bahn am Donnerstag erstmals seit dem Orkan „Kyrill“ im Jahr 2007 den Betrieb auf ihrem gesamten Fernverkehrsnetz eingestellt.

Der schwerste Orkan seit mehr als zehn Jahren in Deutschland hatte mindestens sechs Menschen das Leben gekostet. Vielerorts wurde zeitweise Windstärke 12 und mehr gemessen. Auch mehrere Flughäfen strichen aus Sicherheitsgründen Flüge. Im Norden machte zudem regional Schneeglätte Autofahrern zu schaffen.

Gestrandete Bahnreisende warten auf dem Hauptbahnhof in Berlin auf Auskunft. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Im Süden Deutschlands sollten die Züge bereits ab dem Morgen weitgehend normal verkehren, wie die Bahn am Abend in der Mitteilung ankündigte. „Im Norden Deutschlands starten die Züge, sobald weitere Strecken von Schäden befreit und freigegeben wurden. Wir erwarten, dass bereits im Laufe des Vormittags alle Metropolen Deutschlands - mit Einschränkungen - wieder mit dem Fernverkehr erreichbar sein werden. Für das Wochenende erwarten wir einen weitgehend normalen Verkehr.“

Wegen des Orkans musste am Donnerstag im thüringischen Bad Salzungen sogar die Bundeswehr ausrücken und einen getöteten Feuerwehrmann bergen. Ein Schützenpanzer Marder half zudem, Bäume abzutransportieren, die den Weg zur Unglücksstelle versperrten. Der 28-Jährige war im Einsatz von einem Baum erschlagen worden.

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Wegen der Gefahr umstürzender Bäume sollte die Autobahn 7 an der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Hessen in Richtung Süden laut Polizei voraussichtlich bis zum Mittag gesperrt bleiben. Probleme auf den Straßen gab es auch in Westsachsen: Die Autobahn 72 in Richtung Bayern war in der Nähe von Zwickau nach einem Lastwagen-Unfall mit drei Fahrzeugen in der Nacht dicht, und die Polizei ging davon aus, dass das bis zum Morgen so bleiben sollte. Ein Laster war in ein Stauende gerast, zwei Männer starben. Der Stau hatte sich aufgrund eines sturmbedingten Unfalls gebildet. Allerdings hatte „Friederike“ mit dem folgenden Unfall der Laster nichts zu tun, wie ein Polizeisprecher sagte. Schon am Mittwoch kam es infolge der Glätte auf der A 93 im Landkreis Regensburg zu Unfällen. Viele Fahrzeuge waren verwickelt, die Fahrbahn lange gesperrt.

Die weitere Vorhersage des Deutschen Wetterdienst: Am Tag weht der Wind laut DWD anfangs an der See und in den Bergen noch stürmisch. Probleme drohen weiterhin durch glatte Straßen. Es sind immer wieder Regen-, Schnee- und Graupelschauer möglich. An den Alpen erwartet der DWD kräftige Schneefälle. (dpa)

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