mz_logo

Panorama
Donnerstag, 21. September 2017 19° 3

Interview

Goldstandard und Goldreserven

Früher war unsere Währung an Gold gebunden. Heute ist das nicht mehr so, trotzdem haben wir Goldreserven zur Absicherung.

Goldreserven sind in allen Staaten noch eine wichtige Möglichkeit, um den Wechselkurs zu stabilisieren. Foto: Bundesbank/ dpa

Passau.Dr. Marcus Giamattei ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Volkswirtschaftheorie an der Universität Passau. Er forscht und lehrt im Gebiet der Experimentellen Makroökonomik und der monetären Ökonomik.

Herr Dr. Giamattei, im 19. Jahrhundert haben sich die Regierungen dazu entschieden, ihre Währung an den Goldpreis zu binden. Was war die Idee dahinter?

Die Regierungen haben damals entschieden, nur so viel Geld in Umlauf zu geben, wie sie entsprechend Gold in den Tresoren hatten. Damit wollte man verhindern, dass Zentralbanken – und damit Regierungen – unbegrenzt Geld drucken konnten.

Wie schaffte man es damals, die verschiedenen Währungen vergleichbar zu machen und an einen gemeinsamen Wert zu binden?

Anfangs gab es noch den sogenannten Bimetallismus, also die Konversion in Gold oder Silber. Dann schlossen sich aber die Zentralbanken zusammen und setzten – nach dem Vorbild Großbritanniens – den internationalen Goldstandard durch.

Wie funktionierte es, diese Goldpreisbindung aufrecht zu erhalten? Und vor allem für alle Staaten?

Zahlungen zwischen Zentralbanken wurden mit Gold durchgeführt und Zentralbanken gingen enge Absprachen ein, um den Goldstandard zu halten. Ab 1944 wurde dann aber nur noch der US-Dollar an Gold gebunden und die anderen Währungen orientierten sich an ihm.

Dr. Marcus Giamattei forscht und lehrt im Gebiet der Experimentellen Makroökonomik und der monetären Ökonomik.

Im Jahre 1976 empfahl der Internationale Währungsfonds, die Goldpreisbindung aufzuheben. Wieso?

Das Problem des Goldstandards war, dass dadurch die Höhe der Geldmenge begrenzt war und die Zentralbanken nicht beliebig den Zins setzen konnten. Dadurch waren die Zentralbanken eingeschränkt in ihrer Möglichkeit, durch Zinssteuerung der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen oder Inflation zu bekämpfen.

Gibt es derzeit noch eine Währung, die fest an Gold gekoppelt ist?

Präsident Nixon beendete 1971 die Bindung des US-Dollars an den Goldstandard und damit auch die Bindung aller anderen Währung an eine festgesetzte Menge Gold.

Wieso existieren dann in allen entwickelten Staaten Goldreserven? Welche Funktion haben sie heute?

Goldreserven sind in allen Staaten noch eine wichtige Möglichkeit, um den Wechselkurs zu stabilisieren. Wenn zum Beispiel eine Zentralbank das Abwerten der eigenen Währung verhindern will, dann kann sie Gold verkaufen. Damit kann sie fremde Devisen ankaufen und so der Abwertung entgegen treten. Eine Garantie, dass genauso viel Gold wie Banknoten vorgehalten werden, gibt es nicht mehr.

Ist Gold heute als Wertanlage weniger wert als früher?

Gerade in Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise ist Gold als Anlage wieder sehr wichtig geworden. Viele Anleger nutzen Gold als sicheren Hafen, deshalb zeigt sich die globale „Angst“ in der Finanz- und Schuldenkrise auch immer in einem Anstieg des Goldpreises.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht