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Dienstag, 21. November 2017 5

Psychologie

Heirate niemals einen Udo

Der Diplom-Psychologe Sebastian Sonntag macht sich über Statistiken und andere Mythen rund um die Hochzeit Gedanken.
Von Sebastian Sonntag

„Heirate niemals einen Udo“, sagt Sebastian Sonntag. Foto: tiero - stock.adobe.com

Regensburg.Es gibt Dinge, die genießen standhaft einen schlechten Ruf. Statistiken gehören dazu. Der Volksmund hat dazu so seine Sprüche: Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast, oder die Steigerungsform von Lügen: die einfache Lüge, die schwere Lüge und die Statistik. Und doch scheinen statistische Daten eine gewisse Attraktivität und Beliebtheit zu haben, sonst würden sie nicht immer wieder herangezogen. Ob zur Untermauerung von Behauptungen und Theorien in allen Lebensbereichen von Politik bis zu gesellschaftlichen oder moralischen Standortbestimmungen oder wirklich als Grundlage für Zukunftsplanungen. Wenn solche Datensammlungen sich auch noch auf so interessante Fragen beziehen wie zum Beispiel über Liebe, Partnerschaft und Ehe, dann können sie auch so manche Statistik-Muffel schon neugierig machen.

Zu faul und zu bequem?



So erschien vor kurzem in einer Zeitschrift ein Bericht unter der Überschrift: „Lebenslänglich – die Deutschen bleiben wieder länger verheiratet.“ Das klingt erst einmal beruhigend. Vor allem für diejenigen, die tatsächlich in einer langdauernden Ehe leben und schon manchmal das ungute Gefühl bekommen haben, sich rechtfertigen zu müssen. Angesichts einer Statistik, die sehr deutlich macht, dass in den letzten Jahrzehnten in Deutschland fast 50 Prozent aller Ehen geschieden wurden. Muss man sich da nicht schon bald fragen, ob man zu faul, zu bequem oder zu anspruchslos ist, wenn man immer noch nach so vielen Jahren mit demselben Partner verheiratet ist? Die Gefahr, dass solche Ehe-Dinosaurier in der Zukunft mehr und mehr zu einer aussterbenden Spezies gehören könnten, scheint also gemäß der neuesten Statistiken eher gebannt zu sein. Unter der besagten Überschrift dieses Artikels stand allerdings auch noch ein Zusatz: „Aber man muss auch dafür etwas tun!“ Und was man dazu tun sollte, dafür haben die fleißigen Datensammler ausreichend statistische Beweise geliefert.

Unser Experte

  • Autor:

    Sebastian Sonntag, Dipl.-Psychologe, Dipl.-Theloge, Paar- und Familientherapeut, Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis in Amberg und Supervisor für Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen in bayerischen Diözesen.

  • Themen:

    Sonntag schreibt über Ehe und Familie, den Lebensalltag und psychologische Themen. Er nimmt Fragen von Lesern unter sonntag@mittelbayerische.de auf.

Aus den Befragungen und Auswertungen von tausenden und abertausenden glücklichen und weniger glücklichen Paaren ließen sich immerhin neun verschiedene Merkmale herausfiltern, die über das Wohl und Wehe einer Ehe entscheiden können. Dabei wurde vor allem auf entscheidende Faktoren zu Beginn einer Beziehung geschaut. Sollten die Statistiken Recht behalten, dann müssten eigentlich alle Heiratswilligen schon sehr bedacht mit der Frage nach der Anzahl der Hochzeitsgäste umgehen, den tatsächlich aufzuwendenden Kosten für den Festtag und überhaupt mit dem richtigen Zeitpunkt zur Entscheidung für einen gemeinsamen Lebensbund. Denn angeblich haben die Liebespaare die größere Chance für eine dauerhafte Ehe, die mindestens drei Jahre gemeinsame Beziehungsgeschichte vergehen lassen, bis sie sich zu einer Verlobung entscheiden.

Nach den wissenschaftlichen Unterlagen der Urheber dieser statistischen Belege würde das Scheidungsrisiko dadurch um doch respektable 39 Prozent reduziert gegenüber eher heiratswütigeren Paaren, die sich schon nach nicht einmal ein Jahr Kennenlernen fest verbinden.

Lesen Sie weitere Beiträge aus unserer aktuellen Sonntagszeitung: „Rechtschreibpapst und Orthografiegenie“ oder „Der lange Traum vom Olympia-Gold“.

Was da noch zu retten ist, könnte die Entscheidung sein, dass man in den Flitterwochen, also die Zeit direkt nach der Hochzeit, unverzüglich auf Hochzeitsreise geht. Denn auch hier wissen die Statistiker, dass damit das Risiko einer Scheidung um immerhin 41 Prozent gemindert wird im Unterschied zu den Daheimgebliebenen. Vorausgesetzt, man hat davor sorgsam die Anzahl der Hochzeitsgäste bedacht, die man bei seinem großen Tag dabeihaben möchte. Gewarnt wird – statistisch gesehen – vor einem zu kleinen Kreis an Mitfeiernden. Angeblich haben Paare mit langer Gästeliste das geringste Scheidungsrisiko. Wer mehr als 200 Gäste einlädt, senkt es um 200 Prozent gegenüber einer Hochzeit zu zweit allein. Bei mehr als 100 Gästen soll das Risiko um 84 Prozent sinken. Die nicht so recht statistische Frage, die ich mir bei diesen Erkenntnissen gestellt habe, war die Frage, ob es eigentlich egal ist, wen man zu seiner Hochzeit einlädt, oder ob allein die Anzahl schon Ehe-rettend ist. Dann könnten sich viele Paare die schweißtreibenden und oft nervenzermürbenden Diskussionen und Überlegungen ersparen, wen man nun berücksichtigen muss und auf wen man gerne verzichten würde für diesen Hochzeitstag.

Durchschnittliches Aussehen? Geringeres Risiko!

Die gute Nachricht für alle kirchlichen Institutionen könnten die folgenden statistischen Aussagen sein: Wer regelmäßig in die Kirche geht, hat gegenüber den kirchlich Abstinenten eine 56-prozentig bessere Chance auf ein langes gemeinsames Eheleben. Sogar die nicht ganz so eifrigen Christen, die zumindest ab und zu einen Kirchenraum von innen sehen, hätten immerhin noch zehn Prozent Haltbarkeits-Garantie. Wäre es nicht ein werbeträchtiges Thema, um den Abwärtstrend bei den Kirchenbesuchen abzubremsen oder gegenzusteuern? Ein weiteres Trostwort kommt denen zu, die mit ihrem Aussehen nicht so ganz zufrieden sind. Wer schlau ist und auf jeden Fall sein Scheidungsrisiko senken möchte, der sollte nicht zu sehr auf das Aussehen eines Partners oder einer Partnerin schauen. Denn dann vermag er einem 40-prozentig höheren Risiko einer zu frühen Trennung aus dem Wege zu gehen.

Die ulkigste und am leichtesten zu überprüfende Empfehlung lautet: „Heirate nie einen Udo!“ Er sei kein Familienmensch, behauptet da ein Paartherapeut oder was immer er sein mag, nach 20000 ausgewerteten Beratungsgesprächen. Ausnahmen bestätigen die Regel! Hieße ich Udo, ich würde den Paartherapeuten gleich zu meiner Goldenen Hochzeit einladen.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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