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Panorama
Mittwoch, 13. Dezember 2017 5

Prozesse

Höxter-Prozess: Aussage unterbrochen

In einem Brief teilt Wilfried W. mit, er sehe sich derzeit nicht in der Lage, der Öffentlichkeit Rede und Antwort zu stehen.

Ein Streifenwagen vor dem Haus in Höxter. Hier wurden mehrere Frauen gequält. Foto: Marcel Kusch / Archiv

Paderborn.Im Prozess um die tödlichen Misshandlungen im „Horror-Haus“ von Höxter hat der Angeklagte Wilfried W. seine Aussage überraschend abgebrochen. In einem Brief habe er kurzfristig mitgeteilt, er sehe sich zurzeit nicht in der Lage, in der Öffentlichkeit Rede und Antwort zu stehen, sagte der Vorsitzende Richter in dem Prozess am Landgericht Paderborn am Dienstag.

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Der Angeklagte Wilfried W. wartet im Landgericht Paderborn (Nordrhein-Westfalen) auf den Beginn der Verhandlung. Foto: Bernd Thissen/dpa

Der Verteidiger des unter Mordverdacht stehenden Angeklagten erläuterte, bevor dieser seine Aussage möglicherweise fortsetze, wolle er ausführlich mit dem psychiatrischen Gutachter sprechen, der ihn seit einiger Zeit untersucht. Sein Mandant sehe sich derzeit „hoffnungslos überfordert“ durch die Anwesenheit der mitangeklagten Ex-Frau. Missfallensäußerungen und Gelächter im Publikum am vergangenen Verhandlungstag hätten ihn verunsichert. Außerdem sei er auf die Vielzahl der Fragen nicht ausreichend vorbereitet, sagte Strafverteidiger Detlev Binder. Nach der überraschenden Entscheidung wurde die Verhandlung frühzeitig unterbrochen. Anders als vorgesehen sollen nun in der kommenden Woche weitere Zeugen aussagen.

Die mit-Angeklagte Ex-Frau Angelika W. Foto: Bernd Thissen/dpa

Der 47-Jährige und seine mitangeklagte Ex-Frau Angelika W. (48) stehen seit Oktober 2016 wegen Mordes durch Unterlassen vor Gericht. Über Jahre hinweg soll das Duo mehrere Frauen in ein Haus ins ostwestfälische Höxter gelockt und dort schwer misshandelt haben. Zwei Frauen starben infolge der Quälereien.

„Ich könnte mir vorstellen, dass er gemerkt hat, dass ihm keiner seine Geschichte glaubt, er sei nur Opfer gewesen.“

Peter Wüller, Anwalt von Angelika W.

An den vergangenen beiden Verhandlungstagen hatte Wilfried W. bereitwillig zu seinem Leben und dem nach seiner Schilderung schwierigen Verhältnis zur mitangeklagten Angelika W. ausgesagt. Dabei stellte er sich als Mitläufer bei den Gewalttätigkeiten seiner Ex-Frau dar. Diese hatte zuvor zwar auch sich selbst bezichtigt, Wilfried W. aber als Triebkraft hinter den Misshandlungen beschrieben, nach dessen Wünschen sie gehandelt habe.

Langer weg bis zum Urteil

  • Die Angeklagte Angelika W.

    hatte in dem Prozess bereits umfassend ausgesagt und sich sowie ihren Ex-Mann Wilfried W. belastet. Die treibende Kraft ist nach ihrer Schilderung ihr Ex-Mann gewesen.

  • Wessen Wahrnehmung

    der Machtverhältnisse im Hause W. der Wahrheit am nächsten kommt, wird das Gericht sich mühsam erschließen müssen.

  • Der Angeklagte

    soll an den nächsten Prozesstagen weiter befragt werden.

  • Auch Psychiater

    werden ihre Einschätzungen abgeben.

  • Dutzende Zeugen

    müssen noch vernommen werden. Die Akten füllen stapelweise Ordner.

  • Vor Herbst

    wird kein Urteil in dem Prozess um das „Horrorhaus“ erwartet. (dpa)

Peter Wüller, Anwalt der Angeklagten, zeigte sich nach der Verhandlung überrascht von der Entscheidung des Angeklagten, zunächst nicht weiter auszusagen: „Ich könnte mir vorstellen, dass er gemerkt hat, dass ihm keiner seine Geschichte glaubt, er sei nur Opfer gewesen.“

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