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Dienstag, 31. Mai 2016 23° 2

Brauchtum

Köln und Rio feiern Karneval trotz Krise

Köln und Rio de Janeiro verbindet, dass sie leidenschaftlich Karneval feiern. Doch die Städte haben mit Problemen zu kämpfen.
Von Christoph Driessen und Georg Ismar, dpa

Mit ihren eindrucksvollen Kostümen begeistern die Tänzerinnen die Besucher auf dem Karneval in Rio. Doch heuer muss gespart werden. Fotos: dpa

Köln.Auf den ersten Blick sind es zwei recht unterschiedliche Städte, Rio de Janeiro und Köln. Die eine hat zum Beispiel mehr als sechs Millionen Einwohner, richtet dieses Jahr die Olympischen Spiele aus und gilt als eine der schönsten Metropolen der Welt. Die andere bringt es auf gerade einmal eine Million Einwohner, richtet dieses Jahr den Vorentscheid des Eurovision Song Contest aus und ist ... – nun, hier gehen die Meinungen auseinander.

Karnevals-Hochburgen werden von Krisen geplagt

Dennoch gibt es eine Sache, die beide Städte zweifelsohne verbindet, und das ist der Karneval. Den lassen sie sich auch nicht vermiesen, egal wie dicke es kommt. Und dieses Jahr kommt es dicke! Jahrelang hat Köln versucht, international bekannter zu werden. Nun ist es buchstäblich über Nacht zur Berühmtheit geworden, jedoch aus den völlig falschen Gründen. Stichwort Silvester. Um ähnlichen Übergriffen vorzubeugen, verdreifacht die Polizei an Karneval ihre Präsenz auf den Straßen.

Beim mediterranen Klima in Rio de Janeiro kommen die Tänzerinnen schon ins Schwitzen.

Rio wiederum hat mit einer Wirtschaftskrise zu kämpfen, die auch vor dem Karneval nicht halt macht: Bei den Kostümen und Tänzerinnen wird massenhaft gespart. Dazu kommen jetzt noch die Moskitos, die das böse Zika-Virus verbreiten. Damit die Touristen aus aller Welt beruhigt sind, hat die Stadtverwaltung im Sambódromo Männer in gelben Schutzanzügen und mit Atemmasken aufmarschieren lassen – gerade so, als wäre ein Atomkraftwerk explodiert.

Die Männer versprühten Chemikalien, damit ja kein Moskito der Art Aedes aegypti das Defilee der Sambaschulen vor 80 000 Zuschauern stört. In den Drogerien läuft das Geschäft mit Moskitoschutzsprays prächtig – so wie in Köln das Geschäft mit den Pfeffersprays.

Kölner Dom wird während des Karnevals eingezäunt

Statt des Dreigestirns regiert in Rio „König Momo“, der genau wie in Köln symbolisch den Stadtschlüssel übernimmt. Beim Bierkonsum kann der Carioca – der Einwohner von Rio – auch locker mithalten, denn die Sambagruppen haben immer riesige Plastikbehälter mit ganz viel Eis dabei, so dass sie auch bei mehr als 30 Grad eiskaltes Dosenbier anbieten können.

Am Rosenmontag werden wieder verschiedenste Motivwägen durch die Kölner Innenstadt fahren.

Bei allem Laissez-faire – auch in Rio gibt es keine Gnade bei Wildpinklern. Und wer die Zigarette einfach auf der Erde ausdrückt, muss mit bis zu 187 Real Strafe rechnen (42 Euro). In Köln drohen für das Bepinkeln des Doms sogar bis zu 150 Euro. Die Kathedrale wird dieses Jahr zu ihrem Schutz erstmals eingezäunt.

Bei so viel Gemeinsamkeiten ist es zumindest aus Kölner Sicht absolut folgerichtig, dass sich beide Städte seit fünf Jahren auch in einer offiziellen Städtepartnerschaft verbunden sind. Und zwar auf Augenhöhe – was die Kölner betrifft.

Unsere Bildergalerie zeigt, wie die Jecken in aller Welt Karneval feiern:

Karneval weltweit - Rio, Venedig, New Orleans

Gewisse Zweifel daran konnten zwar aufkommen, als der scheidende Oberbürgermeister Jürgen Roters letztes Jahr bei seinem Abschiedsbesuch in Rio ganze drei Mal von seinem Amtskollegen Eduardo Paes versetzt wurde. Doch am Zuckerhut heißt es dazu, man müsse Paes eben nachsehen, dass seine Stadt schon damals im Krisenmodus gewesen sei – und nicht erst seit Silvester. Sogar der Zoo von Rio musste zeitweise schließen: wegen schlechter Versorgung, verletzten Tieren und kaputten Gehegen. Und zu allem Übel brach sich Paes beim Tanzen auch noch das Bein und musste an Krücken gehen.

„Et hätt noch emmer joot jejange“

Für den Fall, dass Köln in Rio bisher mit einem Bekanntheitsproblem zu kämpfen hatte: Das hat sich mittlerweile erledigt. Denn über die Silvesternacht wurde auch in den brasilianischen Medien wochenlang berichtet – bis hin zum Rücktritt von Polizeipräsident Wolfgang Albers. Jetzt ist aber erstmal Karneval, und das heißt ja gerade: Abschalten und entspannen! Da sind sich Köln und Rio dann wieder ganz nahe. Es gibt sogar eine Entsprechung zum kölschen „Et hätt noch emmer joot jejange“ („Es ist noch immer gut gegangen“): „Tudo bem“, sagt man in Rio: „Alles gut.“ Und dazu wird der Daumen hochgereckt.

Die MZ-Bildergalerie illustriert das ABC des Karnevals:

"Von "Alaaf" bis "Zoch" - Das ABC des Karnevals

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