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Weltfrauentag

Pinke Mützen – und sonst?

Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Wie tickt der Zeitgeist gerade? Ein Überblick von Trump bis zu Berliner Wollmützen.
Von Caroline Bock und Teresa Dapp, dpa

Strickladen-Besitzerin Sabine Bornemann trägt eine lilafarbene „Pussy Hat“, mit der Frauen weltweit gegen die Politik von Donald Trump protestieren. Foto: dpa

Berlin.Sabine Bornemann hat mindestens viermal nachordern müssen. „Bei mir ist Pink ohne Ende!“, sagt sie. Auf einmal war die Farbe in ihrem Berliner Woll-Laden knapp. Das liegt an den „pussy hats“, den rosa Strickmützen mit Katzenohren, die Frauen zum Protest gegen Donald Trump tragen. Trump beschäftigt die ganze Welt, auch eine Wolle-Verkäuferin in Berlin.

Proteste gegen den mächtigsten Chauvi der Welt

Der US-Präsident ist ein bekennender Chauvi, der Sprüche darüber machte, Frauen ungebeten an die „pussy“, also in den Schritt, zu fassen. Trotzdem wurde er zum mächtigsten Mann der Welt gewählt, auch mit Millionen Stimmen von Frauen – mit 52 Prozent der Stimmen weißer Wählerinnen, um genau zu sein. Was dann wiederum Millionen Frauen auf die Straße trieb. In den USA und auch einige in Berlin, Köln und München.

Trump politisiert auch Frauen, die sich sonst nicht politisch outen, sagt die Wolle-Verkäuferin Bornemann. Sind ihre Nachbestellungen von pinken Knäuel ein kleines Zeichen für eine große Bewegung, einen neuen Feminismus, den Trump nun befeuert?

Internationaler Frauentag

  • Ziel:

    Am Internationalen Frauentag fordern weltweit zahlreiche Organisationen die volle soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung von Frauen. Auf vielen Informationsveranstaltungen geht es auch um Missstände wie Gewalt gegen Mädchen und Frauen.

  • Geschichte:

    Der Frauentag wurde auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin erstmals am 19. März 1911 in Deutschland und in Nachbarländern organisiert. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert. 1977 erkannte die UN-Generalversammlung den 8. März als Internationalen Frauentag an. (dpa)

Es scheint jedenfalls seit einigen Jahren immer mehr Stimmen zu geben, die zu diesem großen Label passen: Magazine wie „Edition F“, das „Missy Magazine“ oder die Kampagne „Pink stinks“, die gegen Rollenvorgaben kämpft. Wer Frauen in die Rosa-Schublade steckt, sollte sich schon mal gegen einen Shitstorm wappnen. Gerade bekam eine Baumarktkette etwas Ärger, weil sie „She Sheds“ bewarb – extra Damen-Hütten für den Garten.

Eine Demonstrantin hält in Louisville, USA, ein Schild mit dem Slogan „Trump is Fake News“ in die Höhe. Foto: dpa

Alice Schwarzer, Deutschlands Ober-Feministin, spricht von der „allgegenwärtigen Existenz des Feminismus“, die aber keine Bewegung im engeren Sinn mehr sei. Die Probleme der Frauen hätten zwar neue Formen, sagte sie kürzlich bei einer Podiumsrunde mit zwei „Spiegel“-Autoren, aber es seien im Grunde die alten.

„Comeback der Hausfrau“ in Deutschland

In Sachen Rollenverteilung etwa ist Deutschland nach wie vor altmodisch. Der „Spiegel“ stellte ein „Comeback der Hausfrau“ fest. Frauen mit Kindern sind hierzulande weniger berufstätig als in vielen anderen Ländern und überdurchschnittlich mit Haushalt und Betreuung beschäftigt. Ein Grund ist der hohe Anteil von Teilzeitarbeit. So hat es gerade eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beobachtet.

Teilzeit und dem Mann den Rücken frei halten: Das kann Folgen für die Rente von Frauen haben. Auch, wenn Frauen alleinerziehend sind und nach der Zeit mit den Kindern nur schlecht wieder in den Beruf finden. Frauen sind in allen Altersstufen häufiger als Männer von Armut betroffen. Auch bei den Löhnen für gleiche Arbeit gibt es die hinlänglich bekannten Unterschiede, gegen die die große Koalition nun nach langem Streit ein Gesetz auf den Weg gebracht hat.

Wer sind die erfolgreichsten und mächtigsten Frauen in Europa? Die Antwort gibt es in unserer Bildergalerie.

Die einflussreichsten Frauen Europas

Wie tickt der Zeitgeist für Frauen am Internationalen Frauentag, dem 8. März, im Jahr 2017? Ja, Trump sei ein Weckruf und habe mit seinem „unglaublichen Sexismus und Rassismus“ etwas ausgelöst. Das sagt Heike Pantelmann, Betriebswirtin und Ansprechpartnerin für Geschlechterfragen an der Freien Universität Berlin. Was Deutschland angeht, sieht Pantelmann viel „rhetorische Fassadenmalerei“ - also viele schöne Worte bei wenig Bewegung. Die Familienpolitik etwa sei überhaupt nicht innovativ.

Immerhin: Für ein heute zwölf Jahre altes Mädchen sei es völlig normal, dass eine Frau Deutschland regiere. Aber sprachlich sieht Pantelmann im Deutschen noch Luft nach oben. Sie legt Wert auf die Endung „-in“: Wenn die weibliche Form bei Berufen nicht genannt werde, dann werde er von Mädchen nicht als Möglichkeit wahrgenommen. „Sprache gestaltet unsere Wirklichkeit.“

Rollenklischees in Film und Fernsehen

Auch das Fernsehen prägt, wie Frauen sich sehen und gesehen werden. Die Schauspielerin Brigitte Zeh („Magda macht das schon“) wird deutlich. Das Frauenbild im Fernsehen sei „irgendwie in den 50er Jahren hängengeblieben.“ Ein Muster sei „Gute Barbie, böse Barbie“. Die böse Barbie verliere am Ende und habe meistens nur Macht, weil sie mit einem Mächtigen schlafe. „Die Frau darf viel seltener das Problem lösen, meistens ist sie für Emotionen und Tränen zuständig und schaut der agierenden Hauptperson sehnsüchtig hinterher.“

Und dann ist da noch die Optik, sagt Zeh: „Brustnippel dürfen nicht durchschimmern, sehr wichtig ist aber das Dekolleté. Kleine Brüste werden selten in Szene gesetzt, sondern mit Hilfsmitteln maximal nach oben gequetscht.“ Um zu sehen, wie es um das Frauenbild bestellt sei, könne man einfach mal die Regieanweisungen der weiblichen Rollen anschauen. Häufig stehe da: „seufzt, schluchzt, unter Tränen, hinterlistig, hysterisch“. Filme über intellektuelle Frauen? Selten.

„Es gibt auch Frauen, die erhoffen sich was von den guten alten Zeiten.“

Alice Schwarzer

Zurück zu Trump, den auch Millionen Frauen gewählt haben. Warum nur? Alice Schwarzer hat eine Erklärung. „Es gibt auch Frauen, die erhoffen sich was von den guten alten Zeiten.“ Da sei eine gewisse Attraktion, erklärt sie: „Der Patriarch, der Papa, der sagt, mach‘ dir keine Sorgen, ich regel das schon.“ Die Frauen sollten mal „ein bisschen selbstkritisch reflektieren“, was zur Zeit wieder in Mode komme, findet Schwarzer – nämlich ein gewisser „Charme der Gewalt“.

Auch in Berlin wird gegen Trump demonstriert: Eine Frau hält ihr Schild mit der Aufschrift „The future is ours, we just have to fight for it“ in die Höhe. In mehreren deutschen Städten demonstrieren vor allem Frauen gegen den mächtigsten Mann der Welt und seine frauenfeindlichen Äußerungen. Foto: dpa

Die große Politik wird wohl weiter im Berliner Laden „Die Wollnerin“ zu spüren sein. Die Katzenform könnte sich halten, vermutet Sabine Bornemann. Es müsse ja nicht immer die Farbe Pink sein. Die Mütze könne man auch in Schwarz tragen, so wie Madonna. „Ich mache sie jetzt in Grün.“ Einem Mann hat sie einen „pussy hat“ allerdings noch nie verkauft.

Weitere Meldungen zum Weltfrauentag finden Sie hier.

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