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Panorama
Dienstag, 26. September 2017 21° 1

Justiz

Posse um Apfelköniginnen-Wahl

Ein Mann will so sehr Apfelkönig werden, dass er die amtierende Königin vom Thron stoßen will – mit juristischen Mitteln.
Von Anna Ringle, dpa

Gibt sich nicht geschlagen: Marko Steidel Foto: dpa

Guben.Ein Beinahe-Apfelkönig aus einer Kleinstadt in Brandenburg ist vor Gericht gezogen, weil er die amtierende Apfelkönigin vom Thron stoßen will. Was Marko Steidel antreibt? Er will selbst Apfelkönig von Guben sein. Sein Vorwurf? Die Wahl sei manipuliert gewesen. Am Dienstag standen sich der gescheiterte Bewerber und seine Kontrahentin Antonia Lieske in einem Verhandlungssaal des Amtsgerichtes Cottbus in Guben direkt gegenüber. Sogar der Bürgermeister der Kleinstadt, Fred Mahro (CDU), kam zum Prozessauftakt. Er sagte über den Fall, über den viele nur den Kopf schütteln: „Die Sache ist für mich kaum noch zu ertragen.“ Und ergänzt: „Dass sich die Justiz mit dieser Posse beschäftigen muss.“

Höher Preise wegen Ernteausfällen

  • Preisanstieg:

    Wegen der Ernteausfälle müssen Verbraucher in diesem Jahr mit höheren Preisen für Apfelsaft rechnen. „Gegenüber dem Jahresdurchschnitt hat sich die Streuobsternte in diesem Jahr halbiert“, sagte Klaus Heitlinger, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Fruchtsaft-Industrie, dem Berliner „Tagesspiegel“ vom Mittwoch.

  • Apfelsaft:

    Besonders betroffen sei der Apfel-Direktsaft, der überwiegend aus heimischen Äpfeln produziert wird. Heitlinger rechnet damit, dass der Preis für Äpfel steigen wird – und deshalb auch der Apfelsaft im Supermarktregal teurer werden könnte. Wie viel die Verbraucher dann zahlen müssten, sei aber noch nicht abzusehen. „Der Preis für Äpfel wird sich erst in den kommenden Wochen bilden“, sagte Heitlinger dem „Tagesspiegel“.

  • Abhängigkeit:

    Außerdem hänge es von den einzelnen Produzenten und Supermärkten ab, ob die höheren Obstpreise an die Konsumenten weitergegeben werden.

  • Ausland:

    Dagegen dürfte die schlechte Ernte von deutschen Kirschen und Johannisbeeren keinen Einfluss auf die Saftpreise haben. Das Obst dafür werde überwiegend aus dem Ausland eingekauft. (afp)

  • 230902 AUG 17

Viele Einwohner der Kleinstadt zog es ins Gericht. Eine Frau war damals beim „Appelfest“ im September 2016 mit dabei, als die Apfelkönigin vom Festpublikum gewählt wurde, wie sie erzählt. „Er ist ein schlechter Verlierer“, sagt sie über Steidel. Ihr Sitznachbar sagt: „Gekränkter Stolz“. Erstmals hatte der örtliche Tourismusverein im vergangenen Jahr männliche Bewerber für das Ehrenamt zugelassen. Lieske und Steidel waren die einzigen Kandidaten. Seit 1995 wird die Krone vergeben. Lieske ist Hoheit Nummer 22.

Richter macht kurzen Prozess

Nur wenige Minuten dauert der erste Verhandlungstag. Der Richter fragt Steidel: „Was wollen Sie jetzt genau beantragen?“ Dann legt der 42 Jahre alte Hobbytrödler seine Sicht der Dinge dar. „Da wurden Stimmen manipuliert.“ Zugleich räumt er aber ein, dass das eine „Vermutung“ sei. Der Richter fragt: „Tragbare Anhaltspunkte?“ Es bleibt still im Gerichtssaal.

Steidel moniert zudem mit seiner Klage gegen den Tourismusverein und Antonia Lieske, dass die Apfelkönigin keinen Führerschein besitze und diesen Umstand auf dem Apfelfest verschwiegen habe. Sonst, so seine Überzeugung, wäre die Wahl anders ausgefallen. „Zu diesem Amt gehört der Führerschein, so sehe ich das“, sagt Steidel. Der Anwalt des Tourismusvereins entgegnet, dass das keine Bedingung gewesen sei. Die Wahl sei nicht manipuliert worden.

Irgendwann geraten die Parteien im Verhandlungssaal in Streit und fallen sich ins Wort – bis der Richter kurz sagt: „Ok.“ Dann setzt er einen Verkündungstermin mit einer gerichtlichen Entscheidung für den 7. September an.

Steidel fordert Schadenersatz

Es ist nicht die einzige Klage, die Steidel zur Apfelköniginnen-Wahl einreichte. Er will vom Tourismusverein darüber hinaus unter anderem Schadenersatz – insgesamt 25 000 Euro. Der Streit wird Guben voraussichtlich noch etwas beschäftigen. Der Tourismusverein sieht in der Sache vor allem eines: einen Imageschaden für die Stadt.

Steidel kündigte schon einmal vorsorglich an, dass er für den Fall, dass die amtierende Apfelkönigin ihre Krone behalten sollte, in Berufung gehen werde. In wenigen Wochen wird eine neue Hoheit auf dem Apfelfest gewählt. Steidel ist nicht dabei – der Tourismusverein ließ ihn wegen seiner Klagen nicht zu.

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