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Science Fiction in der realen Welt

„Pokémon Go“ hat einen Hype ausgelöst wie kaum ein Spiel zuvor. Millionen sind unterwegs. Doch es gibt echte Alternativen.
Von Benjamin Krüger, dpa

Bei „Clandestine Anomaly“ werden die zu bekämpfenden Aliens auf dem Bildschirm in die Umgebung des Spielers eingeblendet. Foto: dpa

Berlin.Auch wenn der Hype um „Pokémon Go“ langsam abflacht – eines hat er bewirkt: Digitale Spiele, die mit unserer realen Umgebung verbunden sind, sind im Mainstream angekommen. Dabei ist „Pokémon Go“ nicht das erste Game, das die Spieler ins Freie bringen will. Schon 2003 wollte Konami mit dem Action-Adventure „Boktai: The Sun is in Your Hand“ zum Spaziergang ermutigen. Das Modul für den Nintendo Game Boy Advance besaß einen Lichtsensor, mit dem die Waffen im Spiel aufgeladen werden konnten.

Heute haben Smartphones viel mehr Möglichkeiten, um mit ihrer Umwelt zu interagieren. Kameras, Bewegungssensoren und Standortbestimmung eröffnen Spielentwicklern neue Perspektiven. Daher laden heute viele Apps zum Streunen durch Städte und die freie Natur ein. „Pokémon Go“ wäre gar nicht möglich gewesen ohne „Ingress“. Schließlich ist es der erste Versuch von Entwickler Niantic, ein Spiel mit sogenannter Augmented Reality zu schaffen. In „Ingress“ werden seit 2013 Spieler zu Agenten, die Portale in ihrer Umgebung hacken können, um sie für ihr Team einzunehmen. Diese Kernmechaniken haben es auch in „Pokémon Go“ geschafft.

Ohne „Ingress“ gäbe es „Pokémon Go“ nicht. Im Augemented-Reality-Spiel muss man für seine Fraktion Kontrollpunkte „erobern“. Screenshot: dpa-tmn

Auch optisch ähneln sich die Spiele in einigen Punkten, etwa die Kartenansicht oder der suchende Kreis um den Spieler herum. Atmosphärisch ist „Ingress“ aber ein krasser Gegenentwurf zur zuckersüßen Welt der Pokémon: Es entführt in eine düstere Science-Fiction-Welt. Vor allem in der Nacht darf man sich als Agent fühlen, der sich in geheime Portale hackt. Wem „Pokémon Go“ zu kindisch ist, findet hier eine erwachsene Alternative. „Ingress“ ist kostenlos für Android und iOS erhältlich.

Die Beine in die Hand nehmen

Auch „Clandestine: Anomaly“ bringt eine Science-Fiction-Story in unsere reale Welt. Auf den ersten Blick ist es „Ingress“ ähnlich. Hier geht es ebenfalls düster zu, und auf der Übersichtskarte weisen Markierungen in Neon-Farben den Weg. Doch im Kern ist „Clandestine: Anomaly“ ein Tower-Defense-Spiel. An einem Punkt angekommen, muss dieser gegen Aliens verteidigt werden, die über die Kamera auf dem Bildschirm in die reale Umgebung eingebettet werden. Der Spieler baut Verteidigungsanlagen, die die Aliens abwehren. Mehr Spaß macht es allerdings, die Aliens selbst mit dem Finger abzuschießen. „Clandestine: Anomaly“ von ZenFri gibt es für Android und iOS und kostet in der Vollversion rund 4 Euro.

„Landlord“ überträgt den Brettspiel-Klassiker „Monopoly“ in die reale Welt. Der Spieler kann Immobilien in seiner Umgebung kaufen – natürlich rein virtuell.Screenshot: Reality Games

Friedlicher ist „Landlord“ von Reality Games. Das Spiel überträgt den Brettspiel-Klassiker „Monopoly“ in die reale Welt. Der Spieler kann Immobilien in seiner Umgebung kaufen – natürlich rein virtuell. Wenn Menschen an diesem Ort via Facebook oder Foursquare einchecken, klingelt die Kasse. Mit mehr Geld lassen sich dann mehr Gebäude erwerben, sodass nach und nach das eigene Immobilien-Imperium wächst. Die Spieler müssen bei „Landlord“ aber nicht die eigenen vier Wände verlassen. Die Umgebung kann man vom Sofa aus nach attraktiven Objekten absuchen. Das Spiel ist kostenlos für iOS und Android erschienen.

Durch Großbritannien wandern

In „Zombies, Run!“ ist die Zombie-Apokalypse ausgebrochen. Dem Spieler bleibt nichts anderes übrig, als die Beine in die Hand zu nehmen – und zwar in der Realität. Screenshot: Six to Start

Wer eine App nutzen möchte, um spielerisch ein paar Kilos zu verlieren und fitter zu werden, sollte einen Blick auf „Zombies, Run!“ werfen. Im Spiel von Six to Start ist die Zombie-Apokalypse ausgebrochen. Dem Spieler bleibt nichts anderes übrig, als die Beine in die Hand zu nehmen – und zwar in der Realität. Das Spiel ist eine Fitness-App wie „Runtastic“. Es motiviert aber nicht durch einfache Leistungsdaten, sondern durch ein spannendes Hörspiel. Die Workouts funktionieren also so, dass während des Laufens eine Stimme warnt, dass man besser einen Zahn zulegen sollte, wenn man nicht gefressen werden will. Die Spieler können ihre eigene Lauf-Musik integrieren.

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Entwickler Six to Start hat gleich mehrere solcher Story-Fitness-Apps im Gepäck: Bei „The Walk“ wird etwas gemütlicher durch Großbritannien gewandert, das durch eine Reihe von Terroranschlägen erschüttert wird. Und beim „7 Minute Superhero Workout“ trainert der Spieler zur Vorbereitung auf eine Alien-Invasion. Die Spiele sind kostenpflichtig und für iOS sowie Android erschienen.

Wie in der Zeichentrickserie wird mit „Pokémon Go“ ein Taschenmonster zum ständigen Begleiter. Foto: dpa

Der Klassiker unter den Outdoor-Spielen ist sicher „Geocaching“. Das Konzept ist schon älter als Smartphones: Irgendwo versteckt jemand einen Cache – einen kleinen Schatz – und gibt die Koordinaten sowie ein paar Hinweise bekannt. Die Spieler versuchen nun, diesen Cache zu finden. Vor einigen Jahren brauchte man dazu noch spezielle GPS-Empfänger, heute hat jedes Smartphone einen solchen an Bord. Die Caches können überall versteckt sein: In Städten, Parks oder der freien Natur. Ziel ist nicht der Schatz, sondern die Suche an sich. Die Community der Geocacher ist sehr aktiv, lässt sich ständig neue Ideen einfallen und ist auch sehr gesellig. Allein in Deutschland sind weit über 300 000 Caches versteckt. Auch im Urlaub lohnt die Suche – so lernt man ein Land vielleicht auf eine ganz andere Art kennen.

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